Fachverband für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik

Dokumentation 22. DBH-Bundestagung

DBH-Materialien Nr.74
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DBH-Materialien Nr.75
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Fortbildungskalender DBH-Bildungswerk 2017 erschienen

Folgekosten durch Kriminalität - Untersuchung Prof. Entorf

Die Bertelsmann Stiftung hat eine Untersuchung über den Zusammenhang von Kriminalität und Bildungsmangel in Auftrag gegeben. Prof. Entdorf und seine Mitarbeiter stellen die Ergebnisse dar.
Ist bei einigen der Schulabsolventen ohne Hauptschulabschluss die Gefahr "größer als bei besser Gebildeten, auf die schiefe Bahn zu geraten und in Illegalität und Kriminalität abzugleiten? Führt nicht u.U. das Straffälligwerden in jungen Jahren zu weniger Zeit für Bildung oder schlechten Chancen auf Ausbildung, so dass Bildung nicht ursächlich für Kriminalität ist? Diese Fragestellungen haben Prof. Dr. Horst Entorf von der Universität Frankfurt/M. und sein Mitarbeiter Philip Sieger in der vorliegenden Studie untersucht. Im Rahmen des Projektes „Folgekosten unzureichender Bildung“ der Bertelsmann Stiftung ist es ihnen gelungen, erstmals für Deutschland zu belegen, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen unzureichender Bildung in Form eines fehlenden Hauptschulabschlusses und kriminellem Verhalten gibt." (Vorwort zur Studie)
Die Studie beschreibt dabei folgende Ergebnisse:
„Die volkswirtschaftlichen Schäden durch Kriminalität werden auf ca. vier bis sieben Prozent der nationalen Wirtschaftsleistung bzw. des jährlichen Bruttoinlandproduktes (BIP) geschätzt (Entorf/Spengler 2002). Kriminelles Verhalten zu verhindern ist daher ein wichtiges gesellschaftliches Anliegen. Die vorliegende Studie versucht diesen Zusammenhang näher zu beleuchten und zu berechnen, wie viel kriminelles Verhalten durch bessere Bildung verhindert und welche Kosten der Kriminalität auf diese Weise eingespart werden könnten. Im Umkehrschluss werden damit die Folgekosten unzureichender Bildung ausgewiesen, d.h. die Kosten, die der Gesellschaft momentan alljährlich aufgrund unzureichender Bildung im Bereich Kriminalität entstehen.
Auf der Grundlage der in der vorliegenden Studie durchgeführten sorgfältigen ökonometrischen Analysen kann erstmals für Deutschland belegt werden, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen unzureichender Bildung in Form eines fehlenden Hauptschulabschlusses und kriminellem Verhalten gibt. Die Analysen basieren dabei einerseits auf Individualdaten einer Bevölkerungsstichprobe von knapp 1.200 Probanden mit und ohne krimineller Erfahrung und andererseits auf einem insgesamt 25 Jahre umfassenden aggregierten Paneldatensatz mit Daten aus den westdeutschen Bundesländern. Die Analyse der Bevölkerungsstichprobe weist eindeutig auf einen signifikanten Zusammenhang zwischen Bildung und Kriminalität hin, der auch nach Berücksichtigung anderer wichtiger Einflussfaktoren auf kriminelles Verhalten Bestand hat.
Wäre es im Jahr 2009 gelungen, die unzureichende Bildung um 50 Prozent zu reduzieren, hätte es in Deutschland mindestens 416 Fälle von Mord und Totschlag, 13.415 Fälle von Raub und Erpressung sowie 318.307 Fälle von Diebstahl weniger geben können. Dadurch hätten neben dem persönlichen Leid, das vielen Betroffenen erspart geblieben wäre, insgesamt 1,42 Milliarden Euro an Kosten der Kriminalität „eingespart“ werden können. Anders ausgedrückt: Dadurch, dass es uns nicht gelingt, den Anteil der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss um die Hälfte zu reduzieren, entstehen der Gesellschaft Folgekosten in Höhe von mindestens 1,42 Milliarden Euro jährlich im Bereich der Kriminalität.
Diese Studie simuliert die hypothetischen Auswirkungen einer Bildungsinitiative, die eine Reduzierung der Anzahl der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss beinhaltet. Sie beschränkt sich damit bewusst auf die prekäre Situation dieser besonders betroffenen jungen Menschen. Mit Blick auf eine wirksame Verhinderung von kriminellem Verhalten hat die oben gezeigte Bedeutung einer abgebrochenen Ausbildung bzw. des Hauptschulbesuchs gezeigt, dass bessere Bildungschancen für alle Jugendlichen noch viel weitergehende Effekte auf kriminelle Verhaltensweisen und mit Kriminalität in Zusammenhang stehende Kosten haben könnten. Wenn es gelingen würde, Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen einen Ausbildungsabschluss zu ermöglichen bzw. Veränderungen mit Blick auf die Chancen und Milieus von Hauptschulen (und Förderschulen) in Gang zu setzen, könnten noch deutlich höhere Einsparpotenziale möglich sein. Auch hier findet sich damit ein Beleg dafür, dass die in der Studie errechneten Einsparmöglichkeiten durch verbesserte Bildung lediglich eine konservative Untergrenze darstellen.“ (Prof. Dr. Horst Entorf und Philip Sieger, Einleitung der Studie: Unzureichende Bildung - Folgekosten durch Kriminalität, 2010)
Folgekosten durch Kriminalität, Studie Bertelsmann Stiftung

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