Fachverband für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik

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DBH-Materialien Nr.74
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Nicht die Kinder strafen! Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffälligenhilfe fordert einen familiensensiblen Strafvollzug

Kinder inhaftierter Eltern werden hart bestraft, wenn sie keine Möglichkeit erhalten, den Kontakt zum inhaftierten Elternteil angemessen aufrecht zu erhalten. Der Strafvollzug in Deutschland aber ist alles andere als familien- oder kinderfreundlich. Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffälligenhilfe fordert deswegen einen familiensensiblen Strafvollzug in ihrem Papier: ‘Family Mainstreaming - Wir dürfen nicht die Kinder strafen’.
Mädchen und Jungen, deren Väter oder Mütter eine Gefängnisstrafe verbüßen, zahlen einen hohen Preis. Die Kontaktmöglichkeiten mit dem inhaftierten Elternteil beschränken sich in der Regel auf wenige Stunden im Monat. Meist können nur die dringlichsten Angelegenheiten besprochen werden. Für Gefühle und Nähe, für eine behutsame Aufarbeitung des Geschehenen, gibt es selten Zeit und Raum. So bleiben viele Kinder mit ihren Sorgen und Fragen allein. Weil dies so ist, laufen Kinder Gefahr, in ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung schwer beeinträchtigt und damit selbst zu Verlierern zu werden.
„Unsere Gesellschaft hat diese Kinder vergessen“ sagt Cornelius Wichmann, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffälligenhilfe. „Im Grunde“ so Wichmann, „sind die betroffenen Kinder Leidtragende eines Vollzugssystems, das sie vorrangig als Störung im Betriebsablauf wahrnimmt.“ Der Vollzug in Deutschland muss insgesamt mehr Rücksicht auf mitbetroffene Familienmitglieder nehmen und Kindern angemessenen Umgang mit ihren verurteilten Elternteil ermöglichen. Dies kann gelingen, wenn das Prinzip des Family Mainstreamings eingeführt wird, d.h. wenn Strafvollzugsmaßnahmen konsequent daraufhin angelegt werden, dass sie den Rechten und Bedürfnissen der Angehörigen bestmöglich entsprechen. Die Einführung eines unabhängigen Kinder- und Familienbeauftragten in jeder Justizvollzugsanstalt wäre ein Meilenstein auf dem Weg zu einem familiengerechten Strafvollzug.
„Wir wünschen uns“, sagt Wichmann, „dass unsere Empfehlungen zum Family Mainstreaming die Diskussion über eine familiensensible Ausgestaltung des Strafvollzugs vertieft und die Politik ermuntert, die notwendigen Weichenstellungen vorzunehmen.“
Aus der Presseinformation der BAG-S vom 14. Mai 2012
Das Dokument steht unter www.bag-s.de zum Download bereit.

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