Fachverband für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik

Dokumentation 22. DBH-Bundestagung

DBH-Materialien Nr.74
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40 Jahre Führungsaufsicht

DBH-Materialien Nr.75
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Fortbildungskalender DBH-Bildungswerk 2017 erschienen

Aus dem Knast ins Entlassungsloch

Von einem "Wettbewerb der Schäbigkeit" ist bisweilen die Rede, wenn es um den deutschen Strafvollzug geht. Das mag übertrieben sein, doch von einheitlichen Qualitätsstandards ist die Bundesrepublik weit entfernt. Insbesondere die Resozialisierung krankt - weil sie sich auf die Zeit im Knast konzentriert anstatt auf die Freiheit danach. Prof. Dr. Bernd Maelicke hat in einem Aufsatz in der Süddeutschen Zeitung gravierende Veränderungen gefordert: "Wir brauchen in allen Ländern einen Umsteuerungsprozess mit veränderten rechtlichen, finanziellen und organisatorischen Rahmenbedingungen. 90 Prozent der Resozialisierungs-Kosten in den Landeshaushalten werden zur Zeit für den Vollzug aufgewandt (mit 40.000 Vollzugsbediensteten ), die restlichen zehn Prozent für die ambulanten Dienste der Justiz mit ihren 3500 Gerichts- und Bewährungshelfern sowie für jene 550 Projekte der Freien Straffälligenhilfe.
Vor allem sie sind strukturell unterfinanziert und existenziell bedroht. Es fehlen offenkundig neben den Vollzugsgesetzen Landesresozialisierungsgesetze, die ambulante Dienste und regionale Verbundsysteme strukturell absichern.
Nach dem heutigen Stand der Forschung können die Rückfallquoten deutlich reduziert werden. Dies geht jedoch nur, wenn das jetzige "Vollzugsdenken" überwunden wird und Resozialisierungsprogramme und -strukturen optimiert werden. Solange die Justiz nicht entsprechend umsteuert und ihre Gesamtverantwortung weder erkennt noch wahrnimmt, muss sie sich vorwerfen lassen, nicht alles fachlich Mögliche und Gebotene zur Erhöhung der Sicherheit der Bürger zu tun."
SZ, 17.07.12

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