Fachverband für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik

Dokumentation 22. DBH-Bundestagung

DBH-Materialien Nr.74
DBH-Materialien Nr.74

40 Jahre Führungsaufsicht

DBH-Materialien Nr.75
DBH-Materialien Nr.75

Veranstaltungen 2017

Fortbildungskalender DBH-Bildungswerk 2017 erschienen

Fußwaschung bei Inhaftierten durch Papst Franziskus

Die Botschaft, wie Papst Franziskus vor jugendlichen Gefängnisinsassen kniete und jedem einzelnen die Füße wusch, abtrocknete und küsste, mag bisher die stärkste seiner bisherigen Amtszeit sein: seine Hinwendung zu den „Ausgestoßenen“ der Gesellschaft.
Es ist das erste Mal, dass eine wichtige päpstliche Liturgie an einem so profanen Ort wie einem Gefängnis stattfindet. Die Zeremonie fand im Jugendgefängnis "Casal del Marmo" in Rom statt. Aus Rücksichtnahme auf die minderjährigen Gefangenen durfte die Presse an der Zeremonie in der Haftanstalt nicht teilnehmen. „Lasst euch nicht die Hoffnung rauben. Verstanden? Geht immer voran mit Hoffnung!“ sollen die ermutigenden Worte des Papstes vor den 50 Jugendlichen gewesen sein. Es waren bei der Fußwaschung auch zwei Mädchen dabei, eine Italienerin und eine muslimische Bosnierin.
Weitere bedeutende Neuerungen waren: acht der Inhaftierten sind Katholiken und Italiener. Die Mehrheit aber sind Orthodoxe, Muslime und Konfessionslose aus Osteuropa. Unter den zwölf Jugendlichen wurden Repräsentanten aller Konfessionen und Nationalitäten auserwählt.
Nach dem Gottesdienst nahm sich der Papa noch Zeit für eine kurze Begegnung mit allen Häftlingen. Als Geschenk überreichten sie ihm ein Holzkreuz und eine Betbank, die sie in der anstaltseigenen Tischlerei selbst geschnitzt hatten. Franziskus hingegen verteilte als Mitbringsel die typische italienische Ostersüßigkeiten.
Die Jugendstrafanstalt Casal Del Marmo mit ihren nur 50 Insassen gilt hingegen als eine der wenigen „Modelle“ in Italien. Platzprobleme gibt es in dem Sinne nicht. Für Schul- und Handwerksausbildung ist gesorgt, es stehen Aufenthaltsräume, eine Sporthalle und eine Bibliothek zur Verfügung. Was hier fehlt, ist die Finanzierung von Integrations- und Rehabilitationsprojekten. Ohne eine Chance auf einen Arbeitsplatz nach der Verbüßung der Haftstrafe riskieren die Jugendlichen wieder rückfällig zu werden.
Die Verlegung der Gründonnerstagsmesse in ein Gefängnis hat natürlich unter den Gefangenen landesweit für Aufsehen gesorgt und Hoffnung gestiftet. Auf jeden Fall sieht ein Geistlicher im Strafvollzug mit der Geste des Papstes - vor jungen Straftätern niederzuknien - eine entscheidende Botschaft: "Strafvollzug darf kein Racheakt sein, er darf den Menschen nicht erniedrigen oder zerstören. Er darf nur einen erzieherischen Sinn haben. "Sündern" muss verziehen werden; sie müssen nach ihrer Reue wieder in der Gemeinschaft aufgenommen werden, genauso wie Christus predigte und praktizierte."
Papst wäscht jungen Gefangenen die Füße, Stuttgarter Zeitung, 28.03.2013
Spiegel-Online, 29.03.2013
Papst Franziskus gibt Gefangenen Hoffnung, Zenit, 29.03.2013

Start Seitenanfang Kontakt AGB Impressum