Fachverband für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik

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DBH-Materialien Nr.74
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DBH-Materialien Nr.75
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Haasenburg-Heime werden wegen Misshandlungsvorwürfen geschlossen

Brandenburgs Jugendministerin Martina Münch teilte mit, dass die Kinder- und Jugendheime der Haasenburg GmbH geschlossen werden. Eine Untersuchungskommission ist zu erschreckenden Ergebnissen bezüglich der Misshandlungsvorwürfe gekommen.
Die Ministerin reagiert damit auf die Ergebnisse, die eine vom Ministerium eingesetzte Untersuchungskommission zutage gefördert hatte. Die Tageszeitung "taz" hatte über die skandalösen Vorkommnisse berichtet. Münch führte aus: "Ich halte die Einrichtungen der Haasenburg GmbH deshalb für nicht reformierbar", sagte Münch. Nach einer gründlicher Prüfung gebe es nach ihrer Ansicht "keine Alternative zu einer Schließung". Der Entzug der Betriebserlaubnis soll noch in diesem Monat erfolgen.
In den Haasenburg-Heimen - drei Heime in Brandenburg - wurden von den Jugendämtern Minderjährige unter anderem aus Berlin, Brandenburg, Hamburg, Niedersachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen untergebracht. Bereits seit Monaten gibt es schwerwiegende Misshandlungsvorwürfe gegenüber von Kindern und Jugendlichen in den Heimen. Mehrere Jugendliche, die aus den Heimen entflohen sind, berichteten von Demütigungen und körperlicher Gewalt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in mehreren Fällen.
Laut taz empfiehlt die Kommission "einen Wechsel der Trägerschaft, ein Ausscheiden aller Führungskräfte, die länger als vier Jahre in den Einrichtungen der Haasenburg GmbH beschäftigt sind, eine dauerhafte Stilllegung der Einrichtung in Jessern sowie eine rechtliche Prüfung, ob wegen des Verstoßes gegen Auflagen des Landesjugendamtes die Betriebserlaubnis für Einrichtungen zurückgenommen werden muss". In ihrem Bericht fordern die Experten zudem ein Verbot sogenannter Anti-Aggressions-Maßnahmen und anderer körperlichen Zwangsmaßnahmen. Es gebe außerdem Hinweise auf die Verletzung von Grundrechten in den Heimen.
Der Untersuchungsbericht bescheinigt dem Jugendministerium und den Jugendämtern Versagen bei der Kontrolle der Kinder- und Jugendheime. Die Behörden hätten nach ersten Berichten bereits früher und konsequenter gegen den Betreiber vorgehen können. Ministerin Münch stellte eine Reform der Heimaufsicht in Aussicht.
Untersuchungsbericht zu den Haasenburg-Heimen, November 2013
Umstrittene Haasenburg-Heime werden geschlossen, Berliner Morgenpost 06.11.13
Haasenburg nicht reformierbar, taz
Prof. Werner Thole, Universität Kassel und Mitglied im Beirat des Deutschen Jugendinstituts (DJI), äußert in einem Interview, dass er von den Misshandlungsberichten überrascht war und sich zurückerinnert fühlt an die 1950er, 1960er und 1970er Jahre der Heimerziehung. Auf die Frage, ob es in der Pädagogik eine Tendenz gebe, die Strafe als probates Mittel zu legitimieren, führt er aus: "Inbesondere in der Sozialpädagogik drückt sich zurzeit wieder eine Mentalität aus, die auf sogenannte klassische Werte setzt: Disziplin, Ordnung, Einhaltung von festen Regeln... Es wird disziplinarisch härter durchgegriffen. Und das zeigt sich auch in der Sozialen Arbeit." siehe "Es wird härter durchgegriffen" taz, 09.10.13
Die Etappen der Berichterstattung in der taz über die Haasenburg-Heime können Sie hier in einer Chronologie nachlesen.
Zur weiteren Information: Petition (beendet): Für das Recht in Freiheit erzogen zu werden! Abschaffung der Geschlossenen Unterbringung!

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