Fachverband für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik

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DBH-Materialien Nr.74
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Vorhersage von Kriminalität - „Precobs“: Softwaregestützte „Verbrechensvorhersage“ in Bayern

Dass die Polizei Informationstechniken zur Verbrechensanalyse nutzt, ist nicht neu. Bereits seit 1999 nutzt das Polizeipräsidium München das „Geografische Lage-, Analyse-, Darstellungs- und Informationssystem“ (Gladis). Die Software „Precobs“ (Pre Crime Observation System) geht jedoch noch einen Schritt weiter. Straftaten, die massenhaft verübt werden, wie Einbrüche, soll das System vorhersagen. Die Ergebnisse seien in den meisten Fällen zutreffend, weshalb das Interesse an diesem Programm europaweit zunimmt.
Entwicklung: Bereits im Jahr 2009 wurde Precobs über vier Wochen in Duisburg getestet. Mit Erfolg. Seit Oktober prognostiziert die Polizei München und Mittelfranken die Software für das LKA. Auch hier wird Erfolg verzeichnet. Das Bayerische Innenministerium steht einer landesweiten Ausweitung des Programms optimistisch gegenüber.
Die Polizei Zürich wendet Precobs seit einem Jahr an. Nordrhein-Westfalen prüft indes verschiedene Programme. Mitte 2015 könnte hier eine Pilotphase beginnen. Es lässt sich also eine Tendenz zur Ausweitung der bestehenden technische Infrastruktur verzeichnen.
Die Idee entstand bereits im Jahr 2000. Während einer empirischen Feldforschung fiel Thomas Schweer (Soziologe und Kriminologe) auf, dass viele Daten besser genutzt werden könnten. Mit Hilfe des Statistikprogramms SPSS entstand letztlich Precobs.
Viele US-Bundesstaaten und Städte nutzen seit Jahren diese Art von Software, um aus sehr großen Datenbeständen Muster sichtbar zu machen. Big Data heißt das Schlagwort, das weltweit Investoren beflügelt.
Schweer beteuert, dass Precob nur mit „Falldaten“ und nicht mit „personenbezogenen Daten“ arbeitet. Der Software reichen wenige Variablen für die Prognosen: Ort, Zeit, Art des Diebesgutes und der Modus Operandi, also wie der Einbruch erfolgte. Das Programm könne mit einem Algorithmus berechnen, wo in Zukunft ein Wohnungseinbruch geschehen wird.
Dieser Entwicklung steht jedoch die Sorge gegenüber, dass bestimmte Wohngebiete und Stadtteile als „kriminell“ stigmatisiert und Bewohner vermehrt kontrolliert werden.
Algorithmen gegen Gangster, taz 26.11.2014

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