Fachverband für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik

Dokumentation 22. DBH-Bundestagung

DBH-Materialien Nr.74
DBH-Materialien Nr.74

40 Jahre Führungsaufsicht

DBH-Materialien Nr.75
DBH-Materialien Nr.75

Veranstaltungen 2017

Fortbildungskalender DBH-Bildungswerk 2017 erschienen

Kongress der DGPPN: Die Mehrzahl der Sexualstraftäter ist nicht psychisch krank

Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2015 (PKS; Bundesministerium des Innern, 2015) weist insgesamt 46.081 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung aus, das sind 0,7% aller Straftaten. Am häufigsten sind folgende Sexualstraftaten registriert: sexueller Missbrauch von Kindern (§§ 176, 176a, 176b StGB) mit 11.808 Fällen, exhibitionistische Handlungen und Erregung öffentlichen Ärgernisses (§§ 183, 183a StGB) mit 7.558 Fällen und Vergewaltigung und sexuelle Nötigung (§§ 177, 178 StGB) mit 7.022 erfassten Fällen. Hinzu kommen weitere (nicht unbedingt sexuell motivierte) Straftaten etwa im Zusammenhang mit Menschenhandel, Prostitution und Weitergabe von Pornografie (vgl. PKS 2016). Entgegen zahlreicher Berichterstattungen zeigen jedoch Statistiken, dass nur ein sehr geringer Teil der Sexualstraftäter psychisch krank ist.

Ob und welche Relevanz eine psychische Erkrankung für die Straftatbegehung hat, entscheiden in Deutschland Gerichte vielfach auf der Grundlage eines forensisch-psychiatrischen Gutachtens, das die Frage nach der Schuldfähigkeit des Täters klären soll. Wird im Rahmen der Begutachtung eine psychische Störung diagnostiziert und damit die Schuldunfähigkeit oder verminderte Schuldfähigkeit festgestellt, wird die Person nach den Gesetzes des Maßregelvollzuges (§ 63 oder § 64 StGB) in einer Anstalt der forensischen Psychiatrie untergebracht. Den Maßregeln der Besserung und Sicherung zugehörig sind die „Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus“ (§ 63 StGB), die „Unterbringung in einer Entziehungsanstalt“ (§ 64 StGB) und die „Unterbringung in der Sicherheitsverwahrung“ (§ 66 StGB). Diese können angeordnet werden, wenn bei einem Täter entweder eine fehlende Unrechtseinsicht (aufgrund krankhafter seelischer Störung[…]) oder eine fehlende Steuerungsfähigkeit bei vorhandener Unrechtseinsicht […] nachgewiesen wurde (Gorissen, 1999; Nedopil, 2007). Während die Dauer der Unterbringung im Maßregelvollzug bisher unbefristet war, muss diese nach einer aktuellen Novellierung der gesetzlichen Grundlagen nach sechs und zehn Jahren besonders kritisch geprüft werden.

Auf dem Kongress der DGPPN (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde), der am 25. November 2016 in Berlin stattfand, haben sich renommierte forensische Psychiater mit Tätertypologien von Sexualdelikten beschäftigt. Bei Sexualstraftätern handelt es sich um eine sehr heterogene Tätergruppe. Nach statistischen Auswertungen wurden die meisten Sexualdelikte von Personen ohne diagnostizierter krankhafter Störung begangen. Die KongressteilnehmerInnen fordern einen „differenzierteren Umgang mit dem Thema in der Öffentlichkeit und den Medien“, da die Einstufung von Sexualstraftätern als „psychisch Kranke“ die Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen verstärkt. „Neben sexuellen Präferenzstörungen und Paraphilien können zum Beispiel Persönlichkeitsstörungen, Schizophrenien oder Psychosen eine Rolle spielen. Die Tätertypologie ist bei der Ausrichtung der rückfallpräventiven Therapie entscheidend. […] Im Falle ausgeprägter sexueller Präferenzstörungen oder Hypersexualität kommen medikamentöse Behandlungsansätze hinzu.“ (Dr. Nahlah Saimeh – Mitglied im Vorstand der DGPPN). Die Experten forderten auf dem Kongress präventive Programme zur Verhinderung von Sexualdelikten weiter auszubauen.

Weitere Informationen und verschiedene Statemants sind auf der Homepage der DGPPN anzulesen.

Start Seitenanfang Kontakt AGB Impressum