Jugendgewalt: 1.000 Praktiker und Wissenschaftler gegen höhere Strafen, Einführung eines Warnschussarrestes1.000 Kriminologen, Richter, Staatsanwälte, Rechtsanwälte, Fachkräfte der Strafrechtspflege und Jugendhilfe, aus der Polizei und dem Jugendstrafvollzug unterstützen die Resolution gegen die Verschärfung des Jugendstrafrechts, die vom Konstanzer Kriminologen Professor Wolfgang Heinz formuliert wurde. Der DBH-Fachverband unterstützt ebenso die Resolution von Prof. Wolfgang Heinz."Für eine Verschärfung des Jugendstrafrechts besteht kein Anlass. Richtig ist, dass junge Menschen – in quantitativer Betrachtung – überproportional häufig als Straftäter auffallen. Diese Höherbelastung ist aber keine Besonderheit der Gegenwart, sondern wurde in jeder Generation beobachtet."
Der DBH-Fachverband wendet sich gegen Strafverschärfungen und Drilleinrichtungen für Jugendliche. DBH-Thesen
DBH-Fachtagung am 04.03.08 in Köln
Die Anwendung des Jugendrechts muss auch weiterhin für Heranwachsende möglich sein, um den Erziehungsgedanken so effektiv wie möglich anwenden zu können. Erziehungscamps oder Strafvollzug in freier Form bieten dagegen Möglichkeiten mit Konsequenz soziale Erziehungsarbeit zu leisten.
Kurze Freiheitsstrafen sind gefährlich - sie schrecken nicht ab, aber ihre entsozialisierende Wirkung ist hoch. Wenn die Politik etwas tun will, dann soll sie mehr Bewährungshelfer einstellen, führt Bernd Maelicke in der Süddeutschen Zeitung aus. Artikel SZ 09.01.08
In der Kieler Erklärung von Bernd Maelicke und Frieder Dünkel wird auch auf die Notwendigkeit des Veränderungsbedarfs beim Umgang mit Intensiv- und Wiederholungstätern durch die Jugendstrafrechtspflege hingewiesen.
Weitere Erklärungen:
Mainzer Erklärung(Prof. Michael Bock)
Koch-Rezepte(Prof. Horst Viehmann, Köln)
Brief an Justizministerin Piepenkötter (LAG der Bewährungshelfer in NRW)
Aktion Jugendschutz Ba Wü
In einem Interview führt der Kriminologe Christian Pfeiffer aus, dass härtere Strafen nicht dazu beitragen, gewalttätige Jugendliche zu bessern. Stattdessen solle man die prügelnden Väter in Migrantenfamilien zur Räson bringen und die Schulen verändern. "Mehmets Vater ausweisen" Interview taz(04.0108)
Praxisbeispiel: In der Ambulante Intensiv Betreuung (AIB) der Bewährungshilfe in Köln betreuen vier Intensiv-Bewährungshelfer jeweils fünf - nach Jugendstrafrecht verurteilte - Probanden, die entweder bei der Polizei als Intensivtäter geführt werden oder aber aus anderen Gründen einen erhöhten Betreuungsbedarf aufweisen. Ein in Deutschland einmaliges Projekt, als letzte Chance für kriminelle Jugendliche
Artikel Welt 13.01.08
Broschüre
Radiosendung WDR 5 "Neugier genügt"
Die Presseberichte und die Politikervorschläge überstürzen sich zurzeit:
Spiegel-Online: "Was tun mit Teenagern, die
immer wieder klauen und zuschlagen?" (03.01.08) Artikel taz "Gewalt in U-Bahnen"(04.01.08). Für die Einrichtung von Boxcamps, wie das von Lothar Kannenberg, bedarf es keiner gesetzlichen Änderungen. Dort werden überwiegend Jugendliche betreut, die von Jugendämtern aus ganz Deutschland geschickt werden. Es handelt sich dabei um Sozial- und Erziehungsarbeit mit Gewalttätern: Artikel FAZ: „Mit Zwang geht hier
gar nichts“ (03.01.08) Video Boxcamp Kannenberg (FAZ-Net) Der CDU-Ministerpräsident Koch (Hessen) fordert u.a. die Einrichtung von Bootcamps für straffällige Jugendliche. Bundesjustizministerin Zypries plädiert für Erziehungscamps. Artikel taz (04.01.08). Die Bundesländer versuchen seit Jahren mit unterschiedlichen Projekten und Gesetzesinitiativen, der Schwierigkeiten mit besonders gewaltbereiten jugendlichen Straftätern Herr zu werden. Artikel FAZ (04.01.08)
Umstrittene Bootcamps: Welcher ist der richtige Umgang mit jugendlichen Gewalttätern? Sowohl in Deutschland als auch in den USA wächst die Kritik am militärischen Drill in den Erziehungslagern. Audio-Sendung der Deutschen Welle, 02.01.2008 (15 Minuten) Der Deutsche Richterbund findet die Debatte über härtere Strafen „überflüssig“ Artikel FAZ (03.01.08)
Auf der Fachtagung "Steigende Gewaltkriminalität - Herausforderung des Jugendkriminalrechts" des Justizministeriums Nordrhein-Westfalen in Berlin im November 07 wurden die Handlungsmöglichkeiten mit Intensivtätern diskutiert. Pressemeldung Für die LAG der Bewährungshelfer hat Ursula Klein die ambulante Betreuung durch die Bewährungshilfe herausgestellt LAG-Information. Der hessische Justizminister hat eine Bundesratsinitiative mit anderen Bundesländern zur Einführung des Warnschussarrestes vorgestellt. Pressemeldung
Artikel in der SZ, 16.11.07
Die CDU-regierten Bundesländer haben im Bundesrat im Februar 2006 eine Gesetzesänderung des Jugendgerichtsgesetzes (JGG) beschlossen, die dem Bundestag vorgelegt wurde. Das Bundeskabinett hat diesen Antrag mit den Stimmen der CDU-Minister abgewiesen. Diese Haltung entspricht auch dem Ergebnis der Koalitionsvereinbarung. Der angegebene Gesetzentwurf der Bundesländer mit der Stellungnahme der Bundesregierung kann hier nachgelesen werden: Deutscher Bundestag, Drucksache 16/1027
|