Kurzbericht: 7. CEP-Konferenz der Generaldirektoren der Bewährungshilfe in Europa

Vom 15. bis 17. November 2017 fand in Brüssel (Belgien), in den Räumlichkeiten der Generaldirektion Justiz (Wallonia-Brussels Federation), die 7. CEP-Konferenz der Generaldirektoren der Bewährungshilfe in Europa statt. Die alle zwei Jahre stattfindende Konferenz ermöglicht den CEP-Mitgliedern sich über die Entwicklung der Bewährungshilfe in Europa zu informieren und auszutauschen, aber auch Netzwerke aufzubauen und zu pflegen.

  • Die Konferenz hatte folgende Themen als Schwerpunkt gesetzt:
  • Modelle des organisatorischen Wandels,
  • Wandel in Organisationen mit dem Fokus Qualitätssicherung,
  • Organisatorischen Wandel und Innovation managen,
  • Umgang mit notwendigen „alltäglichen“ Herausforderungen und Veränderungen in der Organisation, ohne dabei die Funktionsfähigkeit zu verlieren.

Die Konferenz wurde von Gerry McNally, Präsident der CEP, eröffnet. In seiner Eröffnungsrede betonte Gerry McNally die Notwendigkeit der (kritischen) Reflexion in der Organisation. Es sei nicht nur erforderlich, „im System“, sondern auch „am System“ zu arbeiten. Dies sei unabdingbar für die Weiterentwicklung der Arbeit.

Dr. Karin Geuijen von der University School of Governance aus Utrecht referierte über theoretische Ansätze und Modelle des organisatorischen Wandels mit dem Fokus auf die Frage, was eine Organisation für die Gesellschaft wertvoll macht; wie lässt sich ein sog. „öffentlicher Wert“ (public good) für die Gesellschaft aus der Arbeit der Bewährungshilfe erstellen? Welche Strategien sind für einen Wandel erforderlich? Vielversprechend scheint der Ansatz „Public value management“ zu sein. Das strategische Management von (auch gemeinwohlorientierten) Einrichtungen sollte sich immer der Frage stellen: (1) Auf welche Unterstützung und Legitimität beruht unsere Arbeit (Legitimitäts- und Unterstützungsperspektive), (2) welchen „öffentlichen Wert“ (public value) schaffen wir (public value account) und (3) wie gut und verlässlich erschaffen wir durch unsere Arbeit (Programme, Prozesse usw.) einen „öffentlichen Wert“?

Sonia Crozier, Direktorin der nationalen Bewährungshilfe (NPS) aus England, berichtete über den Prozess der Umstrukturierung der Bewährungshilfe in England/Wales. Hierbei wurden deutliche Unterschiede in den Aufgaben und Fallbelastungen zwischen dem NPS (National Probation Service), die sich auf Hochrisiko-Täter konzentriert und in staatlicher Hand befindet und der CRC (Community Rehabilitation Companies), sog. regionale Agenturen, die sich in privater Trägerschaft befinden und für Probanden mit mittlerem und niedrigem Rückfallrisiko zuständig sind.

Anschließend berichtete Mihails Papsujevics aus Lettland an vielen Beispielen, wie sich die Bewährungshilfe in Lettland weiterentwickelt hat und welche Erfolgsfaktoren seiner Ansicht nach dafür ausschlaggebend waren.

Wie die Bewährungshilfe als Organisation mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen wie mit der starken Zunahme von gewaltbereitem Extremismus und der Radikalisierung in einem Land wie Belgien umgehen kann, berichtete Annie Devos, Direktoren der Bewährungshilfe der Region Fédération Wallonie-Bruxelles.

Über die verschiedenen Programme und Möglichkeiten, die die Europäische Union zur Unterstützung eines organisatorischen Wandels in der Bewährungshilfe bereithält, informierte Emmanuelle CRETIN-MAGAND. Insbesondere für Bereich der Entwicklung und Erprobung von grenzüberschreitenden Trainings im justiziellen Bereich sind weitere Fördermöglichkeiten im Rahmen des Programms „Justice Programme“ geplant.

Die Referenten/innen des nachfolgenden Panels referierten darüber, wie innerhalb der Organisation trotz eines Wandels die Qualität der Arbeit sichergestellt werden kann. So sprach u.a. Vivian Geiran, Direktor der Bewährungshilfe in Irland, über den Prozess der Entwicklung und Weiterentwicklung der Probation Rules auf europäischer Ebene. Warum standardisierte Prozesse in der Organisation wichtig sind und wie Standards auf organisationaler Ebene installiert werden können, war Gegenstand des Vortrags von Lennart Palmgren aus Schweden (Swedish Prison and Probation Service). Zentral sei hierbei die Entwicklung einer Vision, die von der Organisation getragen wird.

Der zweite Tag starte mit einem Vortrag von Christoph Koss, Neustart Österreich, über die Bedeutung und Rolle des Ehrenamts in der Bewährungshilfe. Im Anschluss stellte Jolanda Mooij die Entwicklung und Möglichkeiten des Einsatzes von „Virtual Reality“ in der Bewährungshilfe vor (vgl. ausführlichen Bericht). Welche weitere Rolle die digitale Technik (wie e-learning als auch der Einsatz von Smartphone-Apps) bei der organisationalen Weiterentwicklung haben kann, war Gegenstand des Vortrags von Maurilia Veloso aus Jersey und Stefania Rosanio aus den Niederlanden.

Die Konferenz endete mit einer Diskussion darüber, wie sich durch gesellschaftliche Änderungen und alltägliche Herausforderungen, die auch an die Bewährungshilfe herangetragen werden, die Bewährungshilfe funktionsfähig bleiben kann.

Die Präsentationen der Konferenz finden Sie auf der Website der CEP:
http://www.cep-probation.org/presentations-7th-conference-directors-general-probation-now-online/

 

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Mitglied in der:

Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffäligenhilfe e.V.Confederation of European Probation 

 

    Kooperationspartner:

    KriPoZ Kriminalpolitische Zeitschrift

 

 

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