Kurzbericht & Präsentationen zur DBH-Fachtagung „Übergangsmanagement"

Die elfte Fachtagung zum Thema Übergangsmanagement vom 03. bis zum 04. Juli 2017 in Frankfurt befasste sich insbesondere mit der Frage, welche Resozialisierungsinfrastruktur für einen reibungslosen und sozial-integrativen Übergang von der Haft in die Gemeinschaft bzw. Gesellschaft erforderlich ist.

In Ihrem Eröffnungsvortrag stellte Elke Wienhausen-Knezevic (Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht) die Inhalte Ihrer Studie über Lebensverlaufsdynamiken junger Haftentlassener vor. In seinem anschließenden Beitrag führte Prof. Dr. Heinz Cornel von der Alice-Solomon-Hochschule Berlin die Grundzüge eines Resozialisierungsgesetzes für eine neue Kriminalpolitik aus.
Wie Resozialisierung als komplexe Leistung zu gelingen vermag, erörterten Prof. Dr. Bernd Maelicke vom Institut für Sozialwirtschaft (DISW) und Christopher Wein. Für Einblicke in die internationale Perspektive des Übergangsmanagements sorgte Prof. Dr. Ineke Pruin von der Universität Bern. Schließlich schloss Ronny Stengel vom Ministerium der Justiz in Baden-Württemberg, die Vortragsreihe mit der Zusammenfassung der Kooperationsvereinbarung über die Integration von Strafgefangenen und Sicherungsverwahrten in Baden-Württemberg.

Wie unter Berücksichtigung all der Inputs aus den Fachvorträgen nun alte Wege in der Arbeit der Resozialisierung neu beschritten werden könnten, diskutierten zum Abschluss des Tages Prof. Dr. Cornel, Hilde Höll (Verband Bewährungs- und Straffälligenhilfe Württemberg e.V.), Prof. Dr. Bernd Maelicke, Prof. Dr. Pruin und Dr. mult. Stefan Giebel (Kriminologischer Dienst Thüringen).

Der zweite Tag der Fachtagung befasste sich mit Best-Practic-Beispielen des Übergangsmanagements. Insgesamt wurden vier Projekte und Instrumente der sozialen Arbeit vorgestellt:

(1) Haftvermeidung durch soziale Integration (HSI), Prof. Dr. Christa:
Herr Prof. Dr. Christa von der Evangelischen Hochschule Dresden stellte das Instrument der „Haftvermeidung durch soziale Integration (HSI)“ vor, ein Instrument zur Evaluation in der Straffälligenhilfe, um ein möglichst umfassendes und dimensionales Abbild der Arbeitswirklichkeit zu erzeugen. Für die Entwicklung des Modells wurden 5000 Datensätze von Straffälligen über Ihre Lebenswirklichkeit im Übergangsmanagement ausgewertet.
Ziel des HSI ist es, Dimensionen der Arbeit in ihrer Häufigkeit darzustellen. Somit wird ablesbar, in welcher Intensität Straffälligenarbeit stattfindet und in welchen Bereichen diese weiterentwickelt und verstärkt werden können.

(2) Straffälligenhilfe-Netzwerk Chance in Bremen, Eduart Matt, Senator für Justiz und Verfassen Bremen
Eduard Matt ist verantwortlich für die Gesamtkoordination des Straffälligenhilfe-Netzwerk Chance in Bremen. Er schilderte die unterschiedlichen Angebote im Netzwerk, von der Qualifzierung im Vollzug, den Beratungs –und Beschäftigungsstellen nach der Entlassung, ebenso die Integrationsprojekte in den Stadtteilen. Das Übergangsmanagement beeinhaltet drei Ebenen: Die Einzelfallhilfe, die Netzwerkarbeit und die gesellschaftliche Ebene. Man will sich auch um Kulturarbeit bemühen, es ist aktuell ein Theaterprojekt geplant.

(3) Reso-Map –  Konzeptionsentwurf für ein psychosoziales Diagnostik-Instrument im Übergangsmanagement, Melanie Pracht, Stravollzugsanstalt Siegburg
Frau Pracht, Sozialpädagogin im Siegburger Strafvollzug, erläuterte das von ihr entwickelte Konzept „Reso-Map“ ein softwaregestütztes Instrument für eine psychosoziale Diagnostik für Strafgefangene im Übergangsmanagement. Ihr Konzept stützt sich auf die Grundthese, dass Übergangsmanagement als ein umfassender Prozess von beginnender Straffälligkeit, über Strafvollzug bis hin zum Ausstieg bzw. Resozialisierung verstanden wird. Im Mittelpunkt steht das Empowerment des Strafgefangenen. Das Konzept zielt auf die vernetzende Arbeit möglichst aller an diesem Prozess Beteiligter durch eine systematische, ressourcen- und bedarfsorientierte Erhebung und Erfassung. Durch Befragungen in den Zeiten des Haftantritts, des Haftalltags und des Übergangs soll Wiedereingliederung dauerhaft gelingen, Rückfallrisiken gesenkt und somit Opferschutz langfristig gesichert werden.

(4) PÜMaS - Professionelles Übergangsmanagement für Strafgefangene und Haftentlassene in Thüringen, Dr. mult. Stefan Giebel, Kriminologischer Dienst Thüringen
Dr. Giebel, Leiter des Kriminologischen Dienstes Thüringen, schilderte zusammen mit Frau Klingebiel, Projektmanagerin, die Entstehung des Projektes PÜMaS (Professionelles Übergangsmanagement für Strafgefangene und Haftentlassene in Thüringen). Zielgruppe dieses Übergangsmanagements sind vorerst nur Gefangene, die keine Bewährungshelfer*innen zugewiesen bekommen und auch nicht unter Führungsaufsicht stehen. Durch die Konzentration auf Gefangene, die nur eine kurze Strafe oder eine Ersatzfreiheitsstrafe verbüßen, werden Personen erreicht, die ansonsten oft ohne Hilfsangebote entlassen werden. Die Evaluation hat eine gute Vermittlungsquote beim Wohnraum ergeben. Die Angebote von PÜMaS werden gerne von den Gefangenen angenommen.

Gefördert von:
Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Mitglied in der:
Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffäligenhilfe e.V.Confederation of European Probation

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