Zusammenarbeit und Vernetzung in der Strafrechtspflege in den Niederlanden: „ZSM“ und „Safety House“

Der DBH-Fachverband folgte der Einladung der CEP und informierte sich in Utrecht über die Konzepte „ZSM“ (Zorgvuldig, Snel en op Maat) und „Safety House“. Hauptaugenmerk des Austausches war die regionale Vernetzung und Zusammenarbeit staatlicher und kommunaler Stellen sowie freier Verbände in der niederländischen Straffälligen- und Opferhilfe.

Mit der Vernetzung und „Verzahnung“ sollen Regelungen und Hilfen für verschiedene Zielgruppen in der Straffälligen- und Opferhilfe zentral an einem Ort und „aus einer Hand“ angeboten werden. Mit dem ZSM-Verfahren (Zorgvuldig, Snel en op Maat – frei übersetzt sorgfältig, schnell und verhältnismäßig) wird ein beschleunigtes Verfahren ermöglicht. Ein ZSM-Verfahren wird für Straftaten angewendet, die nicht als „schwerwiegend“ eingestuft sind und keine weiterführende Ermittlung durch die Polizei und Staatsanwaltschaft erfordern. Mehr als 80% aller Straftaten in den Niederlanden werden mit dem ZSM-Verfahren behandelt. Innerhalb von sechs Stunden nach Festnahme werden die Tatverdächtigen durch die Staatsanwaltschaft vernommen. Im Rahmen des ZSM-Verfahrens kann die Staatsanwaltschaft gemeinnützige Arbeit, Täter-Opfer-Ausgleich, Geldstrafen oder Schadenersatzleistungen verhängen. Sämtliche Akteure, die mit dem Fall zu tun haben, sitzen zusammen und treffen gemeinsam Entscheidungen. Die Kooperation und Zusammenarbeit mit den verschiedenen Akteuren wurde von den Mitarbeiterinnen als sehr effektiv beschrieben. 
 
Das ZSM-Büro ist 7 Tage die Woche, aber in unterschiedlicher Auslastung besetzt.  

Kernmerkmale des ZSM-Konzeptes sind: 

  • ein zentraler Ort/ZSM-Büro pro Gerichtsbezirk  

  • Zusammenarbeit zwischen Staatsanwaltschaft, Bewährungshilfe, Gerichtshilfe und Polizei 

  • multidisziplinäres Arbeiten 

  • schneller Zugriff auf Informationen und Datenaustausch 

  • vielfältige Vorgehensweisen inner- und außerhalb des Strafrechts 

  • schnelle Bearbeitung 

Im Rahmen eines ZSM-Verfahrens kann auch eine Weiterleitung an das „Safety House“ erfolgen. Karel van Duijvenbooden, Geschäftsführer von „Safety House“ Utrecht, stellte das Konzept vor. 

Mithilfe einer unabhängigen Moderation treffen sich im „Safety House“ viermal pro Woche und je nach Bezug verschiedene Vertreter staatlicher, kommunaler und freier Einrichtungen wie Polizei, Staatsanwaltschaft, Bewährungshilfe, Jugendhilfe, Gesundheitseinrichtungen, psychiatrische Einrichtungen sowie weitere soziale Dienste (multi-agency), um Einzelfälle zu besprechen. In einigen Fällen ist auch der Beschuldigte selbst anwesend. Zielgruppen sind nicht nur Personen mit Strafverfahren und „Intensivtäter“, sondern auch Personengruppen mit sozialen Auffälligkeiten.  
Mit dem Konzept des „Safety House“ soll frühzeitig ein Eingriff erfolgen (Intervention). 

Weitere Informationen:  

Gefördert von:

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Mitglied in der:

Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffäligenhilfe e.V.Confederation of European Probation 

    Kooperationspartner:

    KriPoZ Kriminalpolitische Zeitschrift

 

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