Web-Seminar-Reihe

Willkommen zur fünfteiligen Web-Seminar-Reihe "Straffälligenarbeit und & Digitalisierung"

03.11. bis 24.11.2020

DBH-Fachverband und Drudel 11 e.V.

Mit der zunehmenden Digitalisierung verändern sich die Lebenswelten der Klient*innen und die Arbeitswelten von professionellen Akteuren in der Bewährungs- und Straffälligenhilfe, wie auch die Straffälligenarbeit selbst. Traditionelle sozialarbeiterische Konzepte und Handlungsmodelle sowie Arbeitsprozesse dürften durch digitale Technologien eine deutliche Veränderung erfahren. Hilfe- und Unterstützungsleistungen als auch Kontrollmechanismen könnten mit Digitalisierungsstrategien neugestaltet und umgeformt werden. Es ist zu erwarten, dass sich neuartige Lösungsstrategien durch die Implementierung von Digitalisierungsprozessen herausbilden, auf die die Bewährungs- und Straffälligenhilfe eine Antwort sowohl hinsichtlich des Umgangs mit Klient*innen als auch auf Seiten der professionellen Akteure in der alltäglichen beruflichen Praxis finden muss.

Neben einem inhaltlichen Input bietet jedes Web-Seminar die Möglichkeit, sich mit den Referierenden auszutauschen.

Zeit:
Dienstag, 03.11. 2020 // 16:30 – 18.00 Uhr

Beschreibung:
Chancen und Herausforderungen der Online-Beratung:
Weitere Informationen folgen noch.
Referentin: Andrea Bartsch berichtet über die Umsetzung der Online-Beratung im Deutschen Caritasverband.

Online gut beraten: die Erfahrungen der Online-Beratung gegen Rechtsextremismus:
Seit 2008 gibt es die Online-Beratung gegen Rechtsextremismus, die beim Verein Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V. angesiedelt ist. Das Format traf zu Beginn auf viel Skepsis – mittlerweile bezweifelt aber kaum noch jemand, dass die Online-Beratung eine wichtige Lücke im Bereich der Extremismus-Prävention geschlossen hat. Besonders für Angehörige von Menschen, die in die rechtsextreme Szene verstrickt sind, bietet die Einrichtung hilfreiche psychosoziale Unterstützungsmöglichkeiten. Die wissenschaftliche Referentin und Online-Beraterin Liane Czeremin erläutert anhand von Fallbeispielen den systemisch-lösungsorientierten Beratungsansatz sowie Fragetechniken und andere pädagogische und psychologische Methoden, die in den Beratungsprozessen häufig zum Einsatz kommen.
Referentin: Liane Czeremin, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit, Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V.

Zugangsdaten:
Die Zugangsdaten zum Webinar erhalten Sie rechtzeitig vor Veranstaltungsbeginn per Mail
Zeit:
Dienstag, 10.11. 2020 // 16:30 – 18.00 Uhr

Beschreibung:
Digitalisierung und Soziale Arbeit in Handlungsfeldern der Justizsozialarbeit und Straffälligenhilfe
Softwarebasiere Prognoseentscheidungen, digitale Fallführung, aber auch Fragen von mobiler Überwachung, Begleitung oder Beratung über App-Lösungen stoßen gehäuft international auf Resonanz innerhalb der Kriminalpolitik. Dies vollzieht sich meist nicht zufällig, sondern wird administrativ verwoben mit Prozessen der Standardisierung von Handlungsabläufen oder mit einem Ausbau der Risikoorientierung in der Straffälligenhilfe realisiert. Schlussendlich trifft hier die Arbeit mit hohen Fallzahlen vor Ort auf politische Problematisierungen von Sicherheit oder Verantwortung.
Mit einem Blick auf die USA und Großbritannien wird dabei gehäuft die Schlussfolgerung formuliert, dass hier (zumindest implizit) Kontrollfunktionen in der Praxis ausgebaut werden. Inwieweit diese Diagnose auch für die Bundesrepublik formuliert werden kann, bleibt aktuell offen. So ließe sich auch nach dem „sozialpädagogischen Remmidemmi mit Digitalisierung“ (Cleppien/Hofmann 2020) fragen: passiert dies nicht auch woanders in der Pflege, in der Jugendhilfe oder gar gesamtgesellschaftlich? Es stellt sich somit die Frage, welche Erfahrungen, Hoffnungen, aber auch Verunsicherungen die Teilnehmer*innen mit diesen Entwicklungen verbinden.

Der Workshop soll die desperaten Praktiken, Felder und Akteure der Veränderungen rekonstruieren, einschlägige Forschungsergebnisse hin auf die Bewährungshilfepraxis/den Strafvollzug bündeln und der Frage nach den Effekten auf Professionelle und (soweit möglich) Proband*innen nachspüren.
Referent: Prof. Dr. Sascha Schierz, Professur Jugendsoziologie, soziale Kontrolle, Fachbereich Sozialwesen Hochschule Niederrhein

The future of probation
Like any prediction, discussing about the future of probation is challenging and risky. However, in all times in history there were people making predictions and advancing some scenarios about how the future may look like. In some cases they were fulfilled with very high accuracy. The case of Jules Verne anticipating in 1863 the life in Paris after 100 years with air conditioning, high-speed trains and skyscrapers is quite well known now. When predicting an event in the future most people used their imagination but they also looked carefully at what happened in the past and what seem to be the forces that shape the present. This is what my presentation will do: will look into how probation practices and services have developed so far, what were the social-economical and criminological forces that shaped the field as it is now and advance some ideas about the megatrends that may anticipate the way probation will look tomorrow. Faithful to the principle that no social system will escape the scientific progress, I will pay close attention to the existing technologies and the new discoveries in science and imagine how they could be integrated into probation practice.
Referent: Prof. Dr. Ioan Durnescu, Fakultät für Sozologie und Soziale Arbeit, Universität Bukarest: The future of probation (das Webinar erfolgt in englischer Sprache)

Zugangsdaten:
Die Zugangsdaten zum Webinar erhalten Sie rechtzeitig vor Veranstaltungsbeginn per Mail.
Zeit:
Donnerstag, 12.11. 2020 // 16:30 – 18.00 Uhr

Beschreibung:
Strafzumessung im Zeitalter von ‚Legal Tech‘:
Tools zur Unterstützung oder automatisierten Findung juristischer Entscheidungen (Legal Tech) werden zunehmend nicht nur diskutiert, sondern auch produziert. Für die Strafzumessung deutscher Gerichte spielen sie bisher keine nenennswerte Rolle, im Ausland finden sich aber bereits weiterreichende Möglichkeiten, von Strafzumessungsdatenbanken bis zu automatisierten Rückfallprognoseentscheidungen. Ähnliche Entwicklungen stehen in Deutschland noch bevor, sind aber nur eine Frage der Zeit und bedürfen dringend einer kritischen Begleitung. Die Zulässigkeit von Legal Tech in der Strafzumessung wirft schwierige ethische und juristische Fragen auf. Technische Probleme und Akzeptanzfragen sind zu bedenken. Doch die Technik bietet ggf. auch Potentiale für Verbesserungen (z.B. Verringerung von Strafzumessungsungleichheiten).
Referent: Prof. Dr. Stefan Harrendorf, Lehrstuhl für Kriminologie, Strafrecht, Strafprozessrecht und vergleichende Strafrechtswissenschaften, Universität Greifswald

Automatisierte Entscheidungen und Digitale Souveränität:
In einer Welt, in der mehr und mehr Aufgabe an Software übertragen wird, finden auch Automatisierte Entscheidungssysteme (AES) vermehrt Einsatz. Zum Teil recht subtil, etwa bei der Empfehlung für den nächsten Song oder den nächsten Videoclip. Heikler wird es bei der automatisierten Genehmigung über einen Kredit, die Vergabe von Sozialhilfeleistungen oder die Assistenz bei der richterlichen Entscheidung über eine Entlassung auf Bewährung - letzteres ist den USA bereits üblich. Wer trägt hier Verantwortung dafür, wenn solch ein Entscheidungssystem Vorurteile reproduziert, Ungleichheit verstärkt und Diskrimierung ausübt? Wie ließe sich das unterbinden oder mindestens milder? Wie lassen sich diese Systeme in einer Demokratie kontrollieren?
Referent: Lorenz Matzat, Mitgründer und Leiter Forschung & Entwicklung, AlgorithmWatch gGmbH

Zugangsdaten:
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Zeit:
Dienstag, 17.11. 2020 // 16:30 – 18.00 Uhr

Akzeptanzniveau von Proband*innen und Bewährungshelfer*innen zur digitalen Kommunikation. Ergebnisse einer Befragung von über 200 Probanden und 50 Bewährungshelfern in Mecklenburg-Vorpommern:
Die digitale Mediatisierung des Alltags prägt das gesellschaftliche Miteinander und bedingt veränderte Anforderungen an die Kommunikation. Da die Wirksamkeit der Bewährungshilfe maßgeblich auf einem verlässlichen Kommunikationsprozess zwischen Bewährungshelfer*in und Proband*in beruht, dürfte sie gleichsam von dieser Transformation berührt sein. Es stellt sich demzufolge die Frage, ob und in welcher Weise digitale Kommunikation den Zwecken der Bewährungshilfe dienlich sein kann. Deren Beantwortung wird sich im Rahmen des Seminars durch Reflexion der vorliegenden Befunde zur technischen Ausstattung, Mediennutzungsverhalten und Einstellungsfaktoren sowie Diskussion genähert.
Referent: Jan Winkler, Entwickler von IT-Strategien und IT-Services (vormals Bewährungshelfer)

Online-Trainings gegen Hass und Gewalt
Der Beitrag stellt das innovativen Online-Training „CLICK!“ vor, das straffälligen jungen Menschen eine neue Form des Lernens anbietet. Die pädagogisch begleiteten Kurse zielen dabei auf eine Reduktion von Rechtsextremismus und Gewaltbereitschaft ab, indem die entsprechenden Einstellungen konsequent hinterfragt und andere Perspektiven vermittelt werden.
Referent: Daniel Speer, Drudel 11 e.V.: Online-Trainings gegen Hass und Gewalt

Zugangsdaten:
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Zeit:
Dienstag, 24.11. 2020 // 16:30 – 18.00 Uhr

Der geplante Vortrag zu „eHealth-Apps bei der Diagnostik und Behandlung von Personen, die Kinder sexuell missbraucht haben“ muss leider ausfallen. Wir konnten stattdessen die Medienwissenschaftlerin Frau Prof. Dr. Lina Breitlauch (Intermedia Design) für einen alternativen Vortrag zum Thema Gamification/Zocken im Zwangskontext gewinnen.

Beschreibung:
Seit April 2014 lehrt sie Game Design im Studiengang „Intermedia Design“ an der Hochschule Trier und forscht mit besonderem Fokus auf interaktivem Storytelling, Serious Games und Gamification sowie Dramaturgie. Intermedia Design (ID) ist ein Studium für alle, die sich für die kreativen Möglichkeiten der neuen, digitalen Medien interessieren – für Web- und mobile Anwendungen, für die Potenziale digitaler Spiele, für die Kopplung von virtuellen und realen Räumen, für neuartige Mensch-Computer-Schnittstellen, für unterschiedliche Spielformate und ihre Anwendungsgebiete, für Video- und 3D-Gestaltung.
Referentin: Frau Prof. Dr. Lina Breitlauch (Intermedia Design)

Zugangsdaten:
Die Zugangsdaten zum Webinar erhalten Sie rechtzeitig vor Veranstaltungsbeginn per Mail.

Sie könnten selbst entscheiden, ob Sie an der kompletten Web-Seminar-Reihe oder nur an einzelnen Web-Seminaren teilnehmen wollen.

Die Teilnahme ist kostenlos!

Wir würden uns dennoch über eine Spende zur finanziellen Unterstützung freuen! Über den folgenden Link können Sie uns online eine Spende zukommen lassen: Spende

Zielgruppe:
Praktiker*innen aus der Bewährungs- und Straffälligenhilfe, Mitarbeiter*innen aus dem Maßregel- und Strafvollzug sowie den Justizverwaltungen, Richter*innen und Staatsanwaltschaft sowie fachlich Interessierte.

Voraussetzungen für die Teilnahme:

  • Ein Teilnahmegerät – PC, Laptop, Tablet oder Smartphone – mit einem gängigen Betriebssystem, Browser und Internetzugang. Safari funktioniert nicht.
  • Die Installation einer Software o.ä. ist nicht erforderlich. Die Teilnahme erfolgt über Ihren Browser!
  • Sabile Internetverbindung für eine störungsfreie Übertragung (am besten verkabelt statt WLAN).
  • Vorzugsweise einen kabelgebundenen USB-Kopfhörer, alternativ die Lautsprecher Ihres Geräts.

Eine Teilnahme mit Webcam (Videobild) und/oder Mikrofon ist nicht erforderlich.

Veranstalter:
DBH e.V. – Fachverband für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik und Drudel 11 e.V.

 

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Mitglied in der:

Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffäligenhilfe e.V.Confederation of European Probation 

 

    Kooperationspartner:

    KriPoZ Kriminalpolitische Zeitschrift

 

 

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