Fachverband für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik

Dokumentation 22. DBH-Bundestagung

DBH-Materialien Nr.74
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Das Projekt RESI

DBH-Materialien Nr.76
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Bewährungshilfe in Europa, Soziale Arbeit - Risikomanagement - Gesellschaft

01.-03.12.2010 in Frankfurt
Die internationale Konferenz wird gemeinsam von den Fach- / Berufsverbänden bzw. Trägerorganisationen in der Bewährungs- und Straffälligenhilfe der Schweiz, Österreich, Liechtenstein, Luxemburg, Deutschlands und der CEP (European Organisation of Probation) durchgeführt. Die übergreifend wichtigen Fachthemen werden dabei behandelt. So beschäftigt sich die Fachtagung mit der Wirtschaftkrise und den Auswirkungen in den Justizverwaltungen und in den Bewährungsdiensten durch Sparmassnahmen, strukturelle und organisatorische Veränderungen. Gravierende Straftaten in den vergangenen Jahren führten zu heftigen Auseinandersetzungen in den Medien. Wie hat die Bewährungshilfe sich in dieser Situation dargestellt und welche Wege soll sie in diesem Zusammenhang in der Zukunft gehen?
Die neueren Ansätze "what works", "der Risikoorientierung", der Risk- und Needs-Assessments und der Lernprogramme, werden in den europäischen Ländern mit unterschiedlicher Dringlichkeit diskutiert. Die verschiedenen Ausgangslagen, führen zu unterschiedlicher Ausprägung der Auseinandersetzung. Führen diese Ansätze der Risikoorientierung zu mehr Sicherheit und besserer sozialer Integration für die Opfer und Täter?
Die EU-Mitgliedsländer werden die Rahmenvereinbarung für die gegenseitige Anerkennung von Bewährungsauflagen und alternativen Sanktionen bis Dezember 2011 umsetzen. Gleichzeitig sind vom Europarat „probation rules“ formuliert worden. Welche Veränderungen und Neuerungen kommen damit auf die nationalen Bewährungs- und Straffälligenhilfen zu?
Diese Themenkomplexe werden durch exponierte Referent/innen aus der Praxis, Wissenschaft und Ministerien aus den beteiligten europäischen Ländern im Diskurs eingeführt und gemeinsam vertieft werden. Die Teilnehmenden werden in Workshops Gelegenheit zur Fachdiskussion und zum Austausch erhalten. Die Tagungssprache ist deutsch.
Referenten aus Österreich, Liechtenstein, Schweiz, Luxemburg, Niederlande, England und Deutschland werden zu den Themenschwerpunkten ausführen:
o Armut – Ausschließung – Kriminalisierung,
o Wie kann das Medieninteresse für eine sachgerechte Information über die Arbeit mit Straffälligen genutzt werden?,
o Europa wächst zusammen - auch bei der Entwicklung der Bewährungshilfe und anderer alternativer Sanktionen?
o Risikoorientierung in der Bewährungs- und Straffälligenhilfe,
o Differenzierte Betreuung und
o Übergangsmanagement zwischen Strafvollzug und Nachsorge.

Ablauf der internationalen Konferenz:
Mittwoch, 01.12., 18 - 21
- Eröffnung und Begrüßung
- Was passiert aktuell auf europäischer Ebene und wird Auswirkungen auf die zukünftige Praxis in der Bewährungs- und Straffälligenhilfe haben? (EU – Abkommen – Probation Rules u.a.), Leo Tigges (CEP)
- Abendessen

Donnerstag, 02.12., 9 - 17:30
- Übersicht der deutschsprach. Länder + England, Niederlande, Frankreich u.a. (Vortrag), Jürgen Mutz (Ravensburg)
- Armut – Ausschließung –Kriminalisierung (Vortrag), Prof. Dr. Ellen Bareis
- Medien (Vortrag), Christoph Feurstein
anschl.
- Workshop 1: Armut – Ausschließung – Kriminalisierung Prof. Dr. Ellen Bareis (Universität Frankfurt / Ludwigshafen), Elke Bahl (Bremische Straffälligenhilfe), Moderation: Prof. Dr. Heinz Cornel (DBH-Präsident / Alice-Salomon-Universität Berlin)
Im europäische Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung ist festzustellen: 16 % der europäischen Bevölkerung – also 80 Millionen Menschen – leben zurzeit in Armut. Das trifft auch auf ein Land, wie Deutschland zu: 14,4 % der Bevölkerung (2008) und rund ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren sind von Armut betroffen. Dabei sollte Europa mit der Lissabon-Strategie (2000) die Beseitigung der Armut bis 2010 entscheidend voranbringen. Armut steht auch im Zusammenhang mit Ghettobildung und Straffälligkeit. Einsparungen im sozialen Bereich führen auch zu Leistungseinschränkungen sozialer Organisationen, die mit ausgegrenzten Menschen arbeiten. In Anbetracht der Wirtschaftskrise und der steigenden Anzahl von Arbeitslosen und Erwerbstätigen im Niedriglohnbereich stellt dieses Europäische Jahr eine große Herausforderung für alle EU-Mitgliedsstaaten und deren Gesellschaften dar. nach oben

- Workshop 2: Europa wächst zusammen - auch bei der Entwicklung der Bewährungshilfe und anderer alternativer Sanktionen? – Probation Rules Leo Tigges (Generalsekrtär der CEP), Jörg Jesse (Justizministerium Mecklenburg-Vorpommern Schwerin), H.-H. Herrenfeld (BMJ), Moderation: Karin Waidhofer (Geschäftsführerin von Neustart/Österreich)
Sicherheit, innere wie äußere, gewinnt vor dem Hintergrund der Auswirkungen von Globalisierung, Klimawandel und demographischen Veränderungen für viele EU-Bürgerinnen und -Bürger immer mehr an Bedeutung. Sie wird in vielen europäischen Ländern stärker als in den letzten dreißig Jahren mit "dichten" Grenzen, Polizeipräsenz und einer verstärkt punitiv agierenden Justiz assoziiert. Sicherheit durch sozialen Frieden und Generierung desselben durch die Anwendung sozial-konstruktiver Maßnahmen in der Straffälligenhilfe scheint in den Hintergrund der öffentlichen Wahrnehmung gerückt zu sein, im Zweifelsfall scheint der Polarisierung zwischen Tätern und Opfern von Straftaten der Vorzug gegenüber Maßnahmen der "wiedergutmachenden Gerechtigkeit" in der Weiterentwicklung der (west-) europäischen Strafrechtssysteme gegeben zu werden. Wie positionieren sich die europäischen Entscheidungsträger dazu? Welche Empfehlungen gibt der Europarat zur Entwicklung der Bewährungshilfe und anderer alternativer Sanktionen, welche Beschlüsse hat die EU dazu gefasst und welches Leitbild hat daraus der Dachverband der europäischen Bewährungshilfen, die CEP, entwickelt? Welche Auswirkungen haben diese Rahmenbedingungen auf die Bewährungs- und Straffälligenhilfe im deutschsprachigen Raum? Wo liegen dabei die besonderen Herausforderungen? Welche Rolle spielen nationale, sprachliche, konzeptuelle Grenzen; wie soll und kann der Umgang damit gestaltet werden? nach oben

- Workshop 3: Wie kann das Medieninteresse für eine sachgerechte Information über die Arbeit mit Straffälligen genutzt werden? Christopf Feurstein (Redakuer beim ORF), Harald Kirchner (Redaktuer beim SWR), Moderation: Josef Köck (Leiter der Bewährungshilfe Liechtenstein)
Konkurrieren „Geschichten erzählen“ von Medien mit der sozialarbeiterischen „Bearbeitung komplexer Problemlagen“ von Kriminellen/ Randgruppen? Wie kommuniziert die Presse/das Fernsehen, wie kommunizieren Sozialarbeitende aus Sicht der Medien und welche Eckpunkte beschreiben diese ungleichen Voraussetzungen? Wie können und wie sollen Sozialarbeitende in der Bewährungshilfe Medien besser nutzen, um ihren schwierigen Arbeitsalltag mit Aussenseitern/Tätern zu kommunizieren, dies bei der Wahrnehmung, dass Medien vorwiegend auf spektakuläre, dramatische Einzelereignisse und deren Verdeutlichung/Erhöhung orientiert sind? nach oben

Vorträge:
- Gemeindenahe Arbeit in der Straffälligenhilfe in den Niederlanden, Jacqueline Ketelaar (Reclassering Niederlande, Limburg)
- Organisation des Probation Service in England zu NOMS (National Offender Management System), Sue Hall (West Yorkshire Probation Area/England)
Abendprogramm:
- Abendessen und Abendprogramm mit Karl Annesser (Ulm) + Miriam Zimmermann (Mannheim)

Freitag, 03.12., 9 - 14
Vorträge:
- Risikoorientierung der Bewährungs- und Straffälligenhilfe, Dr. Dominik Lehner (Basel)
- Differenzierte Betreuung, Prof. Dr. Helmut Kury (Freiburg)

- Workshop 4: Risikoorientierung in der Bewährungs- und Straffälligenhilfe D. Lehner (Basel), Klaus Mayer (Bewährungs- und Massnahmenvollzug, Zürich), Mandy Walter (Soziale Dienste der Justiz Sachsen-Anhalt, Magdeburg), Moderation: H.-U. Bruni (Leiter der Bewährungshilfe Basel)
Wie andere Felder der Sozialen Arbeit steht auch die Bewährungs- und Straffälligenhilfe vor der Aufgabe, sich wandelnden fachlichen Anforderungen zu stellen und sich weiter zu entwickeln. Der Mangel an spezifischem Risiko mindernden Interventionen in der Bewährungshilfe sowie die Notwendigkeit der Professionalisierung der Bewährungshilfe führten zur Entwicklung des Konzepts der Risikoorientierten Bewährungshilfe.
Der Strafvollzug befindet sich seit Mitte der Neunziger Jahre in starkem Wandel. Es lässt sich gesellschaftlich ein paradoxes Risikobewusstsein erkennen, welches sich auszeichnet durch den gleichzeitigen zwingenden Anspruch, davon befreit zu werden. Der Staat steht in der Pflicht. Populistisch wird nach schweren Straftaten eine „Nulltoleranz“ gefordert, die real nicht zu erreichen ist und ethisch moralisch nicht vertretbar wäre, da sie dieselben Freiheiten zerstört, welche sie zu schützen versucht. Dabei hat die Strafjustiz (in der Schweiz) deutlich Fortschritte gemacht. Es wurden Risiko Assessments institutionalisiert und die Erkenntnisse der neueren forensischen Psychiatrie implementiert. nach oben


- Workshop 5: Differenzierte Betreuung Prof. Dr. Helmut Kury (Freiburg), Wilhelm S. Schmitt (Neustart Baden-Württemberg), Sue Hall (West Yorkshire Probation Area/England), Moderation: Georg Zwinger (Geschäftsführer Neustart Baden-Württemberg)
Jeder bekommt, was er braucht und nicht was er will - weg vom Gießkannenprinzip hin zu einer strukturierten Betreuung. Wurde in der Vergangenheit primär die Anzahl von Klienten als entscheidendes Kriterium betrachtet, um die Belastung eines Bewährungshelfers zu ermitteln, definiert das Kategoriemodell verbindliche „Messgrößen“, um den Betreuungs- und Kontrollbedarf im Kontext einer Fallbetreuung festzulegen. Im Rahmen einer Situationsanalyse erfolgt zu Beginn jeder Betreuung die Bewertung der Situation des Klienten; alle Lebensbereiche, die für die Rückfallvermeidung entscheidenden Faktoren sind dabei berücksichtigt. Im Laufe der Betreuung werden überdies die Veränderungsbereitschaft und -fähigkeit des Klienten, die Betreuungs- und Kontrollnotwendigkeit und die internen/externen fachlichen und zeitlichen Ressourcen des Bewährungshelfers berücksichtigt. Ziel ist ein regelgeleitetes, transparentes Vorgehen bei der Festlegung der Betreuungsintensität für den jeweiligen Klienten. Die Einführung des Betreuungsstufenmodells steht für einen grundlegenden Wandel in der Bewährungshilfepraxis: Weg von einem Arbeitsansatz, der auf Bedürfnisse des Klienten und Ereignisse in dessen Umwelt reagiert, hin zu einem bedarfs- und zielorientierten Arbeitsansatz, in dem geplant und basierend auf einer „Arbeitsvereinbarung“ mit dem Klienten, an dessen Problemlagen ressourcen- und lösungsfokussiert nachhaltig gearbeitet wird. nach oben

- Workshop 6: Übergangsmanagement – zwischen Strafvollzug und Nachsorge Jacqueline Ketelaar (Reclassering Niederlande, Limburg), Michel Wilwerding (Bewährungshilfe Luxemburg), Dr. Helmut Roos (Justizministerium in Hessen, Wiesbaden), Moderation: Klaus Priechenfried (Neustart/Österreich)
Es werden verschiedene Konzepte, Analysen von Problemfeldern und europäische Beispiele präsentiert. Die Schnittstelle Strafvollzug – ambulante Nachbetreuung erweist sich in der Praxis immer als äußerst problematisch. Dabei besteht in dieser Phase für die Kriminalprävention die größte Herausforderung, da die Rückfallgefahr in den ersten Monaten der Haftentlassung am größten ist. Unbestritten ist, dass die Verzahnung von stationärer und ambulanter Straffälligenhilfe seit Jahren von den Fachkräften als reformbedürftig angesehen wird. Nur wenn es gelingt, die Haftentlassenen in ambulanten Programmen weiter zu betreuen, auf eine Berufsausbildung oder Arbeit vorzubereiten, Wohnungsprobleme zu lösen, Schulden zu regulieren, Drogenhilfe und weitere Hilfsangebote in enger Kooperation in Anspruch zu nehmen, dann kann in den besonders gefährdeten ersten zwei Jahren nach dem Strafvollzug die Resozialisierung erfolgreicher verlaufen. nach oben

Abschluss / Ende der Konferenz

Die Konferenz findet im Tagungshaus „Mainfeld – Raum für Kultur“, in Frankfurt / Main statt. Die Tagungsgebühr beträgt € 220, darin sind enthalten die Tagesverpflegung und die Seminargebühr. Bei Anmeldung bis zum 01.11. ist diese auf 200 Euro reduziert. Im Tagungshaus besteht die Möglichkeit für € 120 für 2 Nächte zu übernachten (Übernachtungen in "Hoffmanns Höfe", ca. 500m entfernt). Verantwortlich für die Tagungsorganisation ist der DBH-Fachverband.
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