Forschungsprojekt - Lebenslagenuntersuchung
Bundesweite Befragung zur Erhebung der Lebenslagen der Probandinnen und Probanden der Bewährungshilfe

Die Lebenslagen der Proband*innen der Bewährungshilfe sind heterogen und komplex. Seit 1999 wurden hierzu keine bundeseinheitlichen Daten erhoben. Die Ergebnisse dieser Umfrage bieten deshalb die Möglichkeit einen aktuellen und repräsentativen Stand der Lebenslagen sowie damit verbundenen Hilfe- und Unterstützungsbedarfe der Probandinnen und Probanden darzulegen.
Mit der Umfrage soll mehr Sichtbarkeit für die Lebenslagen der Probandinnen und Probanden der Bewährungshilfe geschaffen und das Bewusstsein für die Aufgaben der Integration und der Resozialisierung gefördert werden, um der gesellschaftlichen Ausgrenzung Straffälliger entgegenzuwirken. Wir wollen so zur Weiterentwicklung der Bewährungshilfe und zu einer modernen und sozial ausgerichtete Strafrechtspflege beizutragen.
Nach § 56d Absatz 3 Satz 1 StGB stehen die Bewährungshelfenden der verurteilten Person helfend und betreuend zur Seite. Nach den Grundsätzen der Recommendation CM/Rec(2010)1 of the Committee of Ministers to member states on the Council of Europe Probation Rules hat sich die Bewährungshilfe an den individuellen Eigenschaften, Umständen und Bedürfnissen, und somit den Lebenslagen der Probandinnen und Probanden zu orientieren. Eine gute Kenntnis über die Lebenslage ist die Voraussetzung für eine wirkungsvolle Bewährungshilfe (Engels & Martin, 2002) und kann das Rückfallrisiko mindern (Smith et al., 2018).
Neben entsprechenden fachlichen Kompetenzen auf Seiten des/der Bewährungshelfenden im individuellen Fall, bedarf es für eine evidenzbasiertere Analyse und Bewertung eines noch breiteren Bewertungsrahmens mit aktuelleren Daten, die möglichst repräsentativ einen aktuellen Überblick zu den Lebenslagen aller Probandinnen und Probanden der Bewährungshilfe in Deutschland geben. Damit soll es möglich werden, individuelle Problem- und Lebenslagen in der Betreuung unter Hinzunahme repräsentativer Daten gezielter zu reflektieren und auf eine breitere, wissenschaftlichere Basis zu stellen. Diese Zielsetzung wird auch im Grundsatz Nr. 16 der European Probation Rules gefordert: die Wirksamkeit der Arbeit der Bewährungshilfe ist zu verbessern, indem die zuständigen Behörden Forschungen fördern, welche die Zielvorgaben der Bewährungshilfe und ihre Ausgestaltung untersuchen. In Teil VIII der European Probation Rules wird mit Regel 105 außerdem gefordert, dass bestehende „Gesetze, Grundsätze und Praktiken“ auf fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen und Forschungen beruhen (Evidenzbasierung).
Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer e.V. (ADB) hatte im Frühjahr 1999 erstmalig und bisher einmalig eine bundesweite Untersuchung zu den Lebenslagen von Probandinnen und Probanden der Bewährungshilfe durchgeführt (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer e.V., 1999) sowie eine Sekundäranalyse der Daten veröffentlicht (Engels & Martin, 2002). Diese Befunde sind inzwischen mehr als 20 Jahre alt. Vor diesem Hintergrund soll nun eine neu konzipierte Befragung erfolgen, welche neue Entwicklungen (u. a. Digitalisierung) berücksichtigt und theoretische Konzepte aus dem Lebenslagenansatz (Voges et al., 2003) der Desistance-Forschung (Matt & Wirth, 2022) sowie der Teilhabe-Forschung (Engels, 2006) ergänzt.
Die Studie will zur Weiterentwicklung der Bewährungshilfe und zu einer modernen und sozial ausgerichtete Strafrechtspflege beitragen. Dies entspricht auch den Forderungen der Kriminologischen Gesellschaft nach einer Verbesserung der statistischen Grundlagen sowie einer Stärkung der kriminologischen Forschung (Pressemitteilung KrimG, 2024). Ziel ist es, an einer vorausschauenden, evidenzbasierten und grundrechtsorientierten Sicherheits- und Kriminalpolitik mitzuwirken. Gleichzeitig kann eine Veröffentlichung der Studienergebnisse mehr Sichtbarkeit für die Lebenslagen der Probandinnen und Probanden der Bewährungshilfe schaffen und das Bewusstsein für die Aufgaben der Integration und der Resozialisierung fördern, was der zunehmenden gesellschaftlichen Ausgrenzung Straffälliger entgegenwirken kann (Pohl, 2025). Letztendlich könnte somit ein Beitrag zur sekundären und tertiären Kriminalprävention geleistet werden.
Ich möchte an der Studie teilnehmen
Über die Landesjustizverwaltungen sollen alle Dienststellen der Bewährungshilfe über die Teilnahme informiert werden. Falls Sie nicht benachrichtigt worden sind aber dennoch teilnehmen wollen, stellen wir Ihnen hier ab Februar 2027 einen Link zur Umfrage zur Verfügung.
Warum sollte ich mitmachen?
Sie leisten mit Ihrer Teilnahme einen wichtigen Beitrag, um die komplexen und heterogenen Lebenslagen der Probandinnen und Probanden der Bewährungshilfe zu erfassen.
Wir wollen mit der Befragung zur Weiterentwicklung der Bewährungshilfe und zu einer modernen und sozial ausgerichtete Strafrechtspflege beitragen. Außerdem soll mehr Sichtbarkeit für die Lebenslagen der Probandinnen und Probanden geschaffen werden und das Bewusstsein für die Aufgaben der Integration und der Resozialisierung gefördert werden, um der gesellschaftlichen Ausgrenzung straffällig gewordener Personen entgegenzuwirken.
Um die Lebenslagen möglichst repräsentativ abzubilden, sind wir auf zahlreiche Teilnehmende angewiesen. Vielen Dank im Voraus für Ihr Engagement!
Welche Voraussetzungen gelten für die Teilnahme?
Um teilzunehmen zu können müssen Sie Bewährungshelfer*in in Deutschland sein und aktuell Proband*innen unterstellt haben.
Was muss ich tun?
Die Veröffentlichung der Umfrage ist für Anfang Februar 2027 geplant. Es wird Ihnen über Ihre Dienstelle ein Link für die Online-Umfrageplattform LimeSurvey übermittelt. Sie öffnen die Umfrage und geben die entsprechenden Daten ein.
Wie lange habe ich Zeit, um die Umfrage auszufüllen?
Sobald Ihnen der Link zugesandt wurde, muss die Umfrage innerhalb von vier Wochen bearbeitet und abgeschlossen werden. Wir planen Anfang Februar 2027 mit der Befragung zu beginnen und die Befragung Anfang März zu schließen.
Was wird abgefragt?
Wir befinden uns aktuell in der Konzeption des Fragebogens. Die Umfrage wird voraussichtlich Daten zur Biographie, zur wirtschaftlichen Situation, Angaben zu physischen oder psychischen Erkrankungen, zu persönlichen Fähigkeiten und Ressourcen sowie zur sozialen Teilhabe der/des Proband*in abfragen, um ein möglichst umfassendes Bild der Lebenslage zu zeichnen.
Die Daten sollen Überblick über einen Querschnitt aller befragten Proband*innen geben. Es werden keine einzelnen Fallbeispiele dargelegt.
Werden die Proband*innen selbst auch befragt?
Nein, die Befragung ist ausschließlich an die Bewährungshelfer*innen gerichtet.
Geht es nur um die Lebenslagen von Personen in der Bewährungshilfe?
Nein. Auch Personen, die unter Führungsaufsicht stehen, werden in die Befragung mit aufgenommen.
Das Fachgremium setzt sich zusammen aus Vertreter*innen der Wissenschaft und Praxis und fungiert als wissenschaftliche Beratung, um einen hohen wissenschaftlichen Standard sowie praxisorientierten Bezug zu gewährleisten.
Wer sitzt im Fachgremium?
Das Fachgremium setzt sich zusammen aus:
Marush Agatay – Stellvertretende Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft deutscher Bewährungshelfer*innen ADB e.V.
Prof. Dr. Alexander Baur – Universität Göttingen
Prof. Dr. Marc Coester – Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Prof. Dr. Heinz Cornel – em. Professor für Jugendrecht, Strafrecht und Kriminologie
Univ.-Prof. Dr. Kirstin Drenkhahn – Präsidentin des DBH-Fachverband e.V., Freie Universität Berlin
Thomas Fetting – Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft deutscher Bewährungshelfer:innen ADB e.V.
Jan Göckritz – Stellvertretender Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft deutscher Bewährungshelfer*innen ADB e.V.
- Samuel Plum – Soziale Dienste der Justiz
Katharina Pösse – Bewährungshelferin und Fachkraft im ambulanten sozialen Dienst der Justiz NRW beim Landgericht Essen Gerichtsbezirke Essen und Hattingen für die Fachbereiche: Führungsaufsicht, Bewährungshilfe, Gerichtshilfe
Elena Schaffeld – Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin an der Universität Göttingen
| Zeitrahmen | Inhalt |
|---|---|
| Juli 2026 | Fachbeiratstreffen zur Konzeption der Studie |
| August 2026 | Konzeption des Fragebogens |
| September 2026 | Pilotierung des Fragebogens mit Bewährungshelfenden, sowie Feedbackgesprächen über Verbesserungsmöglichkeiten |
| Oktober 2026 | Überarbeitung des Fragebogens |
| Januar 2027 | Bekanntgabe baldigen Beginns |
| Februar 2027 | Aussendung des Fragebogens |
| März 2027 | Abschluss der Datenerhebung |
| April 2027 | Auswertung der Ergebnisse |
| Mai 2027 | Fachbeiratssitzung und Analyse der ersten Ergebnisse |
| Juni 2027 | Erstellung des Abschlussberichts |
| September 2027 | Veröffentlichung des Abschlussberichts |
| Fachtagung und Vorstellung der Daten |
Wie werden die Ergebnisse bereitgestellt?
Die Ergebnisse sollen in einem Abschlussbericht und als Kurzbeitrag den Landesjustizverwaltungen sowie der interessierten Fachöffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Die Ergebnisse werden als PDF-Dokument kostenfrei auf dieser Seite zu finden sein. Der Abschlussbericht wird zudem als Printversion bestellbar sein. Über die Bereitstellung der Ergebnisse informieren wir in unserem DBH-Newsletter, zu welchem Sie sich hier anmelden können.
Wann werden die Ergebnisse veröffentlicht?
Eine Veröffentlichung der Ergebnisse im Rahmen des Abschlussberichts ist für Anfang September 2027 geplant.
Wie wird die Studie finanziert?
Die Studie wird durchgeführt von wissenschaftlichen Mitarbeitenden des DBH – Fachverband für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik e.V. und wird aus Mitteln des Bundesministeriums der Justiz und Verbraucherschutz gefördert. Die teilnehmenden Bewährungshelfenden erhalten keine finanzielle Aufwandsentschädigung.
Können aus den Daten Rückschlüsse über mich oder meine Arbeit als Bewährungshelfer*in gezogen werden?
Nein, die Daten der Probandinnen und Probanden als auch der erhebenden Bewährungshelfenden werden bereits bei der Erhebung anonymisiert. Die eingetragenen Daten werden verschlüsselt und besonders gesichert gelagert. Die Mitarbeitenden an der Studie sind zur Geheimhaltung und zur Einhaltung der Datenschutzbestimmungen verpflichtet (Verpflichtungserklärung nach BDSG-neu und DSGVO). Ebenso werden in späteren Publikationen keine Einzelfälle genannt. Wenn Sie noch weiterführende Fragen zur Datenverarbeitung oder zum Datenschutzkonzept haben, setzen Sie sich gerne mit uns in Verbindung.
Arbeitsgemeinschaft Deutscher Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer e.V. (1999). Bundesweite Befragung zur Erhebung der Lebenslage der Klientinnen und Klienten der Bewährungshilfe Arbeitsgemeinschaft Deutscher Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer e.V.
Brem, D. (2014). Altern am Rand der Gesellschaft – Forschungsergebnisse empirischer Untersuchungen über die Lebenslagen älterer wohnungsloser Menschen mit möglichen Konsequenzen für die berufliche soziale Arbeit. In R. Keicher & S. Gillich (Eds.), Wenn Würde zur Ware verkommt: Soziale Ungleichheit, Teilhabe und Verwirklichung eines Rechts auf Wohnraum (pp. 101–112). Springer Fachmedien. https://doi.org/10.1007/978-3-658-04443-5_9
Buhr, P., & Huinink, J. (2011). Armut im Kontext von Partnerschaft und Familie. In P. A. Berger, K. Hank, & A. Tölke (Eds.), Reproduktion von Ungleichheit durch Arbeit und Familie (pp. 201–233). VS Verlag für Sozialwissenschaften. https://doi.org/10.1007/978-3-531-94117-2_9
CoE Search—CM. (n.d.). Retrieved May 26, 2026, from https://search.coe.int/cm#{%22CoEIdentifier%22:[%2209000016805cfbc7%22],%22sort%22:[%22CoEValidationDate%20Descending%22]}
Engels, D. (2006). Lebenslagen und soziale Exklusion – Thesen zur Reformulierung des Lebenslagenkonzepts für die Sozialberichterstattung. Sozialer Fortschritt, 55(5), 109–117. JSTOR. http://www.jstor.org/stable/24512748
Engels, D., & Martin, M. (2002). Typische Lebenslagen und typischer Unterstützungsbedarf von Klientinnen und Klienten der Bewährungshilfe [Sekundäranalyse von Befragungsdaten der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer e.V.]. Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik GmbH. https://www.isg-institut.de/download/ADB-Ber.pdf
Freie Straffälligenhilfe. (n.d.). Retrieved May 26, 2026, from https://bag-s.de/freie-straffaelligenhilfe/
Pohl, J. (2025). Teilhaberealitäten straffälliger Männer. In A. van Rießen, C. Bhatti, C. Gille, & K. Jepkens (Eds.), Perspektiven in Bewegung: Entwicklungen von Nutzen und Nutzung Sozialer Arbeit im Kontext subjektorientierter Forschung (pp. 131–144). Springer Fachmedien. https://doi.org/10.1007/978-3-658-48495-8_9
Pressemitteilung | KrimG2024. (n.d.). Retrieved May 26, 2026, from https://www.krimg2024.de/node/41
Voges, W., Jürgens, O., Mauer, A., & Meyer, E. (2003). Methoden und Grundlagen des Lebenslagenansatzes. Universität Bremen, Zentrum für Sozialpolitik; Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung. https://nbnresolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar-320078
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Inhaltliche Verantwortung der Studie:
Laura Zinn
Mail: laura.zinn@dbh-online.de
Telefon: +49 221 9486 5110 (Sprechzeiten Mo-Mi 9:00-16:00 Uhr)
Geschäftsführer:
Daniel Wolter
Mail: daniel.wolter@dbh-online.de
Telefon: +49 221 9486 5120