Programm

24. DBH-Bundestagung
Bewährungs- und Straffälligenhilfe in Zeiten von Populismus


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Mittwoch, 14.09.2022 (12.00 - 17.00 Uhr)

12:00 Uhr Anmeldung & Mittagsimbiss  
13:00 Uhr Begrüßung & Einführung  
13.30 Uhr
Manche sprechen aufgrund des Aufstiegs autoritär-populistischer Parteien von einer Krise der Demokratie. Was ist der autoritäre Populismus und warum gefährdet er die liberale Demokratie? Und woher rühren die Erfolge von populistischen Parteien mit nationalistischer Programmatik? Viele schieben diese Erfolge auf die Zunahme ökonomischer Ungleichheit. Andere sehen die Bewegung als einen kulturellen Backlash gegen die Emanzipationsbewegungen. Der Vortrag erklärt den Aufstieg autoritär-populistischer Parteien durch politische Veränderungen. Sowohl das zunehmende Repräsentationsdefizit der geringer Gebildeten in Parlamenten als auch die Entmachtung nationaler Parlamente zugunsten von non-majoritären Institutionen innerhalb und jenseits der Staaten werden als problematische Entwicklungen der Demokratie ausgemacht. Sie führen zu einer wachsenden Unzufriedenheit mit demokratischen Systemen und der damit verbundenen politischen Klasse. Man kann dabei von einer doppelten Entfremdung sprechen: die abstrakte Entfremdung der Praxis vom demokratischen Ideal und die konkrete Entfremdung der Bürgerinnen von den demokratischen Institutionen.
Prof. Dr. Michael Zürn
Direktor am Wissenschaftszentrum für Sozialforschung Berlin (WZB) und Sprecher des Cluster of Excellence „Contestations of the Liberal Script“ an der Freien Universität Berlin
14.30 Uhr
Warum glauben so viele Menschen an Verschwörungsmythen? Welche Faktoren spielen dabei auf psychologischer Ebene eine Rolle? Die Politikwissenschaftlerin Katharina Nocun ist gemeinsam mit der Sozialpsychologin Pia Lamberty genau diesen Fragen auf den Grund gegangen. In ihrem Buch «Fake Facts» beleuchten sie das verschwörungsideologische Milieu – von Rechtsextremismus bis hin zur Esoterik. Und sie finden dabei Antworten auf die Frage, warum Verschwörungsnarrative gerade in Zeiten der Krise derart anziehend auf Menschen wirken. Verschwörungserzählungen – so viel ist klar – wirken gerade in der rechtsextremen Szene als Radikalisierungsbeschleuniger.
Katharina Nocun
Publizistin sowie Wirtschafts- und Politikwissenschaftlerin
15.30 Uhr Kaffeepause  
16.00 Uhr Prof. Dr. Ioan Durnescu
Universität Bukarest, Chair EU RAN Prison and Probation working group
18.30 Uhr Abendveranstaltung mit Musik in der Stadthalle Gotha  

 

Donnerstag, 15.09.2022 (9.00 - 17.00 Uhr)

09:00 Uhr Einführung  
9:15 Uhr
Egal, welche Zeitung man aufschlägt, welche Nachrichtensendung man anhört oder welche Fernsehdiskussion man verfolgt: überall werden wir mit Problemen konfrontiert, die in ihrer Komplexität und Tragweite, in den Schatten stellen, womit wir bislang konfrontiert waren. Lösungsangebote im Diskurs? Mangelware. Populistische Gruppen, die schon vor Flüchtlingsbewegungen, COVID, Krieg in Europa und Sorge um die Gasversorgung einen Aufwind verspürten, bieten sie an: Lösungen. Aber eben nur vermeintlich.

In Österreich wird Bewährungshilfe und andere justiznahe Sozialarbeit vom privaten Verein NEUSTART durchgeführt. NEUSTART ist Dienstleister im Auftrag der Justiz und versteht sich gleichzeitig als zivilgesellschaftlicher Akteur. Welche Lösungsangebote kann dieser Verein stellen, wenn es um Kriminalität, Marginalisierung, Verhetzung, Gewalt gegen Frauen geht? Und wie kann er reagieren, wenn er mit populistischen Forderungen konfrontiert wird? Eine kritische Betrachtung.
Thomas Marecek
Leiter der Kommunikation, NEUSTART
10.15 Uhr
Der Beitrag fragt anhand von Beispielen nach den Anschlussstellen, Dimensionen und Folgen rechter Einflussnahme auf Profession und Disziplin Sozialer Arbeit. Hierbei werden Beispiele und Diskussionen aus dem gesamten Feld Sozialer Arbeit aufgegriffen.

Der Vortrag zeichnet nach, wie es zur Herausbildung einer liberalen menschenrechtlichen Ausrichtung der Sozialen Arbeit kam und analysiert diese Ausrichtung als eine Antwort auf Grundkonflikte des Berufs. Dazu gehören neben den Widersprüchen zwischen Hilfe- und Kontrollaufträgen insbesondere Konflikte um Veränderungs- und Erziehungsvorstellungen sowie Konflikte darum, wer Solidarität erwarten können soll.

Um den Raumgewinnen autoritärer, ausschließender Hilfevorstellungen und vernachlässigenden Arbeitsweisen entgegenzutreten, diskutiert der konflikttheoretisch angelegte Vortrag die gesellschaftliche Funktion der Sozialen Arbeit und wie Professionelle sich in den widerstreitenden Positionen orientieren und vernetzen können.
Prof. Dr. Barbara Schäuble
Professorin für Diversitätsbewusste Ansätze in Theorie und Praxis Sozialer Arbeit, ASH Berlin
11.00 Uhr Kaffeepause  
11.30 Uhr -
13.00 Uhr
Workshops 1-9  
WS 1
Der Begriff „Reichsbürger“ fasst einen sehr heterogenen Personenkreis, der die Legitimität der Bun-desrepublik Deutschland als Staat bezweifelt, beziehungsweise deren Existenz grundsätzlich nicht anerkennen will. Häufig ist in diesem Zusammenhang von der „BRD-GmbH“ die Rede. Im Rahmen des Workshops werden die verschiedenen ideologischen Strömungen innerhalb dieses Milieus vor-gestellt („Reichsbürger“, „Souveränisten“, „Selbstverwalter“) und eingeordnet. In einem zweiten Schritt wird auf häufig wiederkehrende Argumentationsmuster und zentrale Äußerungen eingegan-gen, um im folgenden mögliche Handlungsoptionen und mögliche Grenzen für den Umgang zu erar-beiten. Dabei werden die gegebenenfalls konkreten Erfahrungen und Fragestellungen der Teilneh-mer*innen besonders berücksichtigt und einbezogen.
Christoph Beyer
Bildungsreferent, Miteinander - Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt e.V.

WS 2
Im Workshop werden die Ergebnisse einer bundesweiten Studie im deutschen Jugendstrafvollzug vorgestellt und diskutiert. Die Studie wurde 2018/19 im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung durchgeführt. Im Rahmen der Erhebungen wurden zahlreiche Interviews mit internen und externen Bildner*innen im Jugendvollzug durchgeführt und über 750 Fragebögen von jugendlichen Inhaftierten erhoben. Ausgewählte Daten werden vorgestellt und erörtert.
Ziel des Workshops ist es zudem, geeignete Methoden der Radikalisierungsprävention zu bestimmen und zwischen Akteur*innen der Jugendstrafrechtspflege eine fachlich begründete Vernetzung zu erreichen. Zudem sollen aktuelle Entwicklungen der politischen Bildung in Haft und weitere Themenfelder besprochen werden.
Prof. Dr. Jens Borchert
Professor für Sozialarbeitswissenschaft und Kriminologie, Hochschule Merseburg
WS 3
Die psychische Gesundheit (ehemaliger) Inhaftierter spielt für die Wiedereingliederung in die Gesellschaft eine zentrale Rolle. Das Erasmus+ finanzierte Projekt “AWARE: Institutsübergreifender Aufbau von Bewusstsein für psychische Bedürfnisse im Strafjustizsystem und bei der Haftentlassung” widmet sich diesem Problembereich. Ziel des Projektes ist die Entwicklung einer Fortbildung für nicht-fachliches Personal und ehrenamtliche Helfer*innen. Neben bestehenden Erkenntnissen zu psychischer Gesundheit in Haft und bei Haftentlassung, werden bei der Entwicklung der Fortbildung auch die Perspektiven von Inhaftierten und Personal einbezogen. Hierfür wurde im Rahmen des Projekts eine Befragung von Inhaftierten und Personal in fünf EU-Ländern durchgeführt. Die Infografiken zeigen erste Ergebnisse der Befragung der Inhaftierten, die vollständigen Ergebnisse der Befragung sowie weitere Projektmaterialien, finden Sie unter: http://www.aware-project.org/
Rhianon Williams
Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Senatorin für Justiz und Verfassung des Landes Bremen
Dr. Alexander Vollbach
stellvertretender Abteilungsleiter der Abteilung Justizvollzug, Soziale Dienste der Justiz und Alternativen zur Freiheitsentziehung sowie Referatsleiter
bei der Senatorin für Justiz und Verfassung des Landes Bremen
WS 4
Ein ganzes Berufsleben in der Bewährungshilfe: Sich immer wieder auf neue Menschen einstellen und diese jahrelang begleiten. Verdichtung der Arbeit: Höhere Anforderungen, neue Reglungen und organisatorische Änderungen. Wie gelingt es, gesund zu bleiben und mit Freude und Schwung der Arbeit nachzugehen? Gemeinsam sollen Erfahrungen ausgetauscht und Ideen gesammelt werden, um auch zukünftig die Begeisterung für ein spannendes Berufsfeld nicht zu verlieren.
Bernd Wagner
Bewährungs- und Gerichtshelfer, Soziale Dienste der Justiz bei dem Landgericht Limburg an der Lahn e.V.
Ulrike Jensen
Bewährungshelferin, ehrenamtliches Mitglied im Präsidium des DBH-Fachverbandes
WS 5
Adäquate psychosoziale Unterstützung ist eng an das Gelingen einer professionellen Beziehungsgestaltung gebunden – wie genau sollte sich diese helfende Beziehung jedoch im sog. „Zwangskontext“ der Bewährungshilfe gestalten?

Einerseits stellten innerhalb des letzten Jahrzehnts Konzepte der Bewährungshilfe und der Sozi¬alen Arbeit im Allgemeinen stärker Risikoorientierung und Risikomanagement in den Vordergrund der Straftäter:innenbehandlung. Gesellschaftli¬che Veränderungsprozesse setzen andererseits Impulse, die die Bedeutung profes¬sioneller Zufluchtsorte immer höher ins Gewicht fallen lassen. Welche Konzepte also lassen sich in Lehr- und Fortbildungskonzepten empfehlen und in der Praxis einsetzen?

Der Workshop reflektiert das Thema zunächst auf theoretischer und empirisch fundierter Ebene und positioniert Bewährungshilfe als eine Profession, die sozi¬ale Integration zentral im Blick behält. Daneben bleibt genügend Raum für Reflexion von Beispielen aus der Praxis, die die Teilnehmenden auch gerne selbst einbringen können.
Marianne Hösl
Bewährungshelferin beim Landgericht Regensburg
WS 6 Christian Ricken
Vorstand Bewährungs- und Gerichtshilfe Baden-Württemberg
Volkmar Körner
Vorstand Bewährungs- und Gerichtshilfe Baden-Württemberg
WS 7
Restorative Justice (RJ) strebt die (Wieder-)Herstellung des sozialen Friedens an, der infolge einer verletzenden Handlung oder aufgrund von diskriminierenden Strukturen aus der Balance geraten ist. Ihre Vermittlungspraxis lebt von Partizipation, Konfliktorientierung und Allparteilichkeit. Vermittler:innen schaffen in ihren Angeboten Raum für Verständigung und Beziehungsstärkung – zwischen den tatverantwortlichen und den tatbetroffenen Personen sowie ggf. auch dem sozialen Umfeld der Beteiligten. Für Fachkräfte der Straffälligenhilfe ist die Auseinandersetzung mit RJ aus mehreren Gründen vielversprechend. In diesem Workshop soll der Frage nachgegangen werden, wie restorative Werte und Prinzipien in der Straffälligenhilfe gelebt und als Kompass genutzt werden können, (a) um die berufliche Beziehung zu den Klient:innen, aber auch (b) die Beziehung zwischen den Klient:innen und ihrem sozialen Umfeld zu verbessern sowie (c) um einen wichtigen Beitrag zur Friedensstiftung zu leisten. Nach einer kurzen Einführung in die Thematik wird in diesem interaktiven Workshop mit den Teilnehmenden reflektiert und erarbeitet, was dies konkret bedeuten kann. Ausgangspunkt sind die vom European Forum for Restorative Justice herausgegebenen Richtlinien (2018) und das Manual (2021) zu Werten und Standards einer RJ.
Christoph Willms
Leiter des Servicebüro für Täter-Opfer-Ausgleich und Konfliktschlichtung des DBH e.V.
Marianne Ruhnau
Referentin des Servicebüro für Täter-Opfer-Ausgleich und Konfliktschlichtung des DBH e.V.
WS 8
Nicht nur im Strafvollzug besteht bekanntlich ein problematisches Versorgungsdefizit psychisch Er-krankter. Auch Proband:innen der Bewährungshilfe, von Beratungsstellen und Wohneinrichtungen sind immer häufiger mit psychischen Störungen belastet. Mitarbeitende von Institutionen, die Straf-fällige oder Entlassene nach Straf- und Maßregelvollzug betreuen, sind dabei besonderen Unsicher-heiten und Konfliktfeldern ausgesetzt. Im Fokus stehen neben Vermittlung von Kenntnissen und praktischen Empfehlungen auch die Reflexion der eigenen Haltung, des persönlichen aber auch Team-Umgangs sowie der Arbeitsdynamiken, die sich aus den besonderen Herausforderungen und dem spezifischem Unterstützungsbedarf der Klient:innen und Proband:innen ergeben.
Dr. phil. Friedhelm Schmidt Quernheim
Fortbildung, Konzeptentwicklung und Supervision in Psychiatrie und Straffälligenhilfe, ehemals Referent für Forensische Nachsorge im Gesundheitsministerium NRW
WS 9
Digitale Kommunikation wurde spätestens in der Corona-Pandemie zu einer wichtigen Möglichkeit, mit den Proband*innen in Kontakt zu bleiben. Die Erfahrungen mit Messenger, Video-Chat und Co. sind dabei vielschichtig.

Der Workshop geht der Frage nach, wie das Internet gezielt in der Bewährungs- und Straffälligenhilfe genutzt werden kann. Neben Möglichkeiten des Austauschs über eigene Erfahrungen mit digitaler Kommunikation erhalten die Teilnehmenden Einblicke in zwei Projekte von Drudel 11 e.V.

Das Projekt „Tag X“ spricht radikalisierte Menschen dort an, wo sie sich im Web alltäglich bewegen - in der Suchmaschine, beim Abrufen ihrer Mails oder unterwegs in Foren. Der Ansatz zielt darauf, bis in die sog. Echokammern vorzudringen und Menschen durch Irritation zur Interaktion zu bewegen. Im Projekt „CLICK!“ setzt Drudel 11 e.V. ein Online-Training zum Abbau von Hass und Gewalt um: Per gerichtlicher Weisung absolvieren die Teilnehmenden eigenständig digitale Trainingseinheiten und werden dabei vom Projektteam über einen Messenger pädagogisch begleitet.
Daniel Speer
Projektleitung, Drudel 11 e.V.
Paula Redmann
Ausstiegsberaterin, Drudel 11 e.V.
13:00-
14:00 Uhr
Mittagspause  
14:00 -
15.30 Uhr
Workshops 10-17  
WS 10
Mit dem von Violence Prevention Network entwickelte Ansatz der Verantwortungspädagogik® versteht sich ganzheitlich und bewirkt eine Verhaltensveränderung hin zum verantwortungsbewussten Umgang mit sich und anderen. Das pädagogische Konzept beruht auf einem explizit nicht-konfrontativen Ansatz. Akzeptanz und der Verzicht auf Demütigung dienen dazu, Verstehen – nicht Verständnis – zu ermöglichen und Handlungen zu erklären – nicht zu rechtfertigen. Es enthält ebenso Komponenten politischer Bildung und wirkt unmittelbar in Alltag hinein.

Die Annahme der Verantwortungspädagogik® ist es, Menschen das Erlernen jener Kompetenzen zu ermöglichen, die eine Distanzierung von menschenverachtenden Ideologien ermöglichen. Dies geschieht in einer für die Person wertschätzenden Atmosphäre und bzgl. der Ideologie hinterfragenden Methode. Gemäß des Indoktrinationsverbots geht es nicht darum, den Klient*innen eine definierte Haltung aufzwingen, sondern darum, Situationen selbständig bewerten und anschließend adäquat handeln zu können.
Dr. Samet Er
Projektleitung Fokus ISLEX Niedersachsen (VPN)
WS 11
Innerhalb dieses Workshops soll das Projekt Pier 36, ein Wohnprojekt für erwachsene Strafgefangene im Rahmen des Vollzugs in freien Formen, vorgestellt werden. Zunächst wird das Projekt anhand der Konzeption präsentiert. Außerdem sollen erste Erfahrungsberichte geteilt werden. Dabei werden vergangene und zukünftige Herausforderungen thematisiert, erste Erfolgserlebnisse dargeboten, sowie über Zukunftsperspektiven gesprochen. Den Abschluss bildet eine Diskussion, bei der alle offenen Anliegen und Fragen besprochen werden sollen.
Theresa Schaarschmidt
Sozialarbeiterin
Yannic Eggert
Heilerziehungspfleger

PIER 36, Verein für soziale Rechtspflege Dresden e. V.

WS 12
Die Führungsaufsicht gewährleistet eine nachsorgende Betreuung von Täterinnen und Tätern durch die Bewährungshilfe und in Teilen auch durch Forensische Ambulanzen.
Die Fallzahlen im Rahmen der Führungsaufsicht haben sich demnach seit dem Jahr 2010 bundesweit um fast 20 Prozent von knapp 30.000 Probanden auf gut 37.000 Probanden im Jahr 2020 erhöht. Diese Zahlen sind alarmierend hoch, nimmt man an, dass im Jahr 2011 etwa 180.000 Probanden (ohne Hamburg) unter Bewährungsaufsicht standen. Geht man von leichtfallenden Fallzahlen in der Bewährungshilfe aus – leider liegen bundesweit keine aktuellen Statistiken vor - unterliegen mindestens 25 Prozent der Probanden der Bewährungshilfe aus rechtlicher Sicht der Führungsaufsicht.
Diese Entwicklung hemmt im Ergebnis die Entwicklung der ambulanten Straffälligenhilfe, da sie differenzierten Betreuungsleistungen im Weg steht und Strukturen schafft, die sich zum Teil selbst behindern. Ziel des Workshops soll es sein, diese Probleme aufzuzeigen, mögliche - gesetzliche - Lösungen hierfür anzubieten und gemeinsam zu diskutieren.
Bernd Kammermeier
Fachbereichsvorsitzender Soziale Dienste DJG Bund
Rüdiger Finholdt
ehemals Führungsaufsichtsstelle Hamburg
WS 13
Gegenwärtig findet in psychotherapeutischen Settings die Emotionsregulation besondere Beachtung. In dem Workshop wird zunächst über die Funktion von Emotionen gesprochen und auf Alltagsstrategien der Emotionsregulation eingegangen. Anschließend wird das Training Emotionaler Kompetenzen (Berking, 2008) vorgestellt, und exemplarisch eine Übung daraus durchgeführt. Abschließend wird noch die Emotionsregulation in aktuellen Gesprächssituationen behandelt und dabei auch ein kurzer Einblick in die emotionsfokussierte Therapie gewährt. Emotionsregulation ist ein breiter Ansatz, der nicht spezifisch auf Straffällige ausgerichtet ist, sondern in vielen Handlungsfelder der Sozialen Arbeit eingesetzt werden kann. Daher findet auch in diesem Workshop keine Zuspitzung auf den Bereich der Resozialisierung statt, sondern es erfolgt eine übergreifende Darstellung.
Prof. Dr. Rebecca Löbmann
Leiterin des Vertiefungsbereichs Gefährdetenhilfe/ Resozialisierung, Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt
WS 14
Soziale Arbeit wird nicht nur im Fachdiskurs sondern auch in der Praxis zunehmend als Menschrechtsprofession beschrieben. Gerade im Bereich justiznaher Arbeitsfelder und der dort gegebenen Eingriffe in Freiheitsrechte von Menschen, stellt sich die Frage der Möglichkeiten und Grenzen einer menschenrechtsorientierten Praxis. Im Workshop werden Möglichkeiten der Übersetzung der zunächst abstrakten Menschenrechte in Felder der Straffälligenhilfe vorgestellt und diskutiert. Insbesondere das Good-Lives-Model wird als eine Möglichkeit besprochen, die Fallarbeit an Menschenrechten und der Menschenwürde auszurichten und dadurch eine Anschlussfähigkeit an professionelle Standards der Sozialen Arbeit zu gewährleisten.

Prof. Christian Ghanem
Professor für Theorien und Handlungslehre in der Sozialen Arbeit an der Technischen Hochschule Nürnberg
Julia Emprechtinger
Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Fachhochschule Westschweiz

WS 15
Beweggrund der Entwicklung des Gesetzes zur ambulanten Resozialisierung und zum Opferschutz in Schleswig-Holstein (ResOG SH) war es, im Gleichklang mit der Reform der Justizvollzugsgesetze des Landes und einem ressortübergreifend angelegten Landesprojekt zur Verbesserung des Übergangsmanagements aus der Haft in die Freiheit, auch die Ambulanten Sozialen Dienste der Justiz zu stärken. So soll dem verfassungsrechtlichen Resozialisierungsgebot bestmöglich gedient werden.

Explizit wurden mit dem Gesetzesvorhaben die folgenden Ziele verknüpft:
- Stärkung des Opferschutzes,
- größere Sicherheit der Bevölkerung,
- verbesserte Transparenz der Leistungserbringung durch die Normierung von Organisationsstrukturen sowie die Schaffung verbindlicher fachlicher Standards,
- verbesserte Möglichkeiten der Haftvermeidung und Haftverkürzung,
- Stärkung der Freien Träger der Sozialen Strafrechtspflege,
- Klarheit der Strukturen der Dienst- und Fachaufsicht sowie
- für die Praxis handhabbare Regelungen des Datenschutzes.

Der Workshop soll über die neuen gesetzlichen und daran anknüpfenden untergesetzlichen Regelungen in Schleswig-Holstein informieren und die Sinnhaftigkeit landesgesetzlicher Regelungen für die ambulante Resozialisierung diskutieren.
Tobias M. Berger
Leiter der Abteilung „Justizvollzug, Ambulante Soziale Dienste der Justiz, Freie Straffälligenhilfe“
Jo Tein
Leiter des Referats "Ambulante Soziale Dienste der Justiz, Freie Straffälligenhilfe und Therapieunterbringung“
im Ministerium für Justiz, Europa und Verbraucherschutz des Landes Schleswig-Holstein
WS 16
Im Zuge der Corona-Pandemie mussten digitale Lösungen zur weiteren Kommunikation und Zusammenarbeit „auf Distanz“ in Vereinen und Verbänden der Straffälligenhilfe gefunden und schnell eingeführt werden. Mittlerweile ermöglichen eine Vielzahl an Tools und Programmen innerhalb von Einrichtungen mit externen Personen und/oder Klient:innen digital zu kommunizieren und zusammenzuarbeiten. Eine Herausforderung hierbei ist die Auswahl datenschutzkonformer Kommunikationstools, die eine größtmögliche Sicherheit im Umgang mit personenbezogenen Daten garantieren. Gleichzeitig müssen die eingesetzten Tools kompatibel mit unterschiedlichen Systemen und Browsern sein, die von Einrichtungen und Personen eingesetzt werden. Nicht zuletzt sind für Vereine und Verbände der Straffälligenhilfe die Kosten und der Aufwand in der Anschaffung und im Betrieb entsprechender Tools von relevanter Bedeutung.

Im Workshop soll zunächst dargestellt werden, welche Anforderungen die Datenschutzgrundverordnung an den Einsatz von Tools zur Kommunikation und Zusammenarbeit stellt. Im Anschluss wird die Umsetzung und Einführung entsprechender datenschutzkonformer Open-Source Tools und Programme im DBH-Fachverband präsentiert, die ebenfalls von Mitgliedsvereinen genutzt werden können. Im Weiteren werden Nutzen und Grenzen in der praktischen Anwendung durch den Mitgliedsverein Hoppenbank e.V. präsentiert. Der Workshop bietet ausreichend Raum, um eigene Erfahrungen einzubringen und über die vorgestellten Lösungen zur diskutieren.
Daniel Wolter
Geschäftsführer, DBH e.V. - Fachverband für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik
Svenja Böning
Geschäftsführerin Hoppenbank e.V.
WS 17
Um die Machbarkeit und Tauglichkeit einer Onlinebegleitung im Strafvollzug überprüfen zu können, haben Dr. Kalmbach und Krenzel das Projekt „crimeic 1.0“ geplant und mithilfe ihrer Kooperationspartner praktisch umgesetzt. Dazu sind erstmals in Deutschland zehn Studierende der Polizeiakademie Niedersachsen als ehrenamtliche Vollzugshelfer:innen mit zehn Inhaftierten der Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel durch eine datensichere Internetplattform verbunden worden. Während der dreimonatigen Pilotphase wurden Häufigkeitsdaten erhoben, um die Themenschwerpunkte der geführten Begleitung eingrenzen zu können. Die persönlichen Eindrücke und Kritiken der Projektbeteiligten wurden abschließend in Form von strukturierten Interviews einbezogen, um das Projekt evaluieren und das erarbeitete theoretische Konzept verbessern zu können. Schlussendlich ist die Annahme der beiden Projektgründer bestätigt worden, dass eine Onlinebegleitung im Strafvollzug unter bestimmten Rahmenbedingungen realisierbar und praxistauglich ist.
Dr. Kalmbach, Jurist & Kriminologe (M.A.)
Krenzel, Kriminalbeamter & Kriminologe (M.A.)
Gründer und Verantwortliche von crimeic.de
15.30 -
16.30 Uhr
Kaffeepause  
16.00 -
17.00 Uhr

Arbeitsgespräche zu den Berufsfeldern:

  • Bewährungshilfe / Ambulanter Sozialer Dienst
  • Freie Straffälligenhilfe
 
19.00 Uhr Abendessen im Quality Hotel am Tierpark in Gotha  


Freitag, 16.09.2022 (9.00 -13.00 Uhr)

09:00 Uhr Einführung  
09:15 Uhr
In Zeiten gesellschaftlicher Verunsicherung und steigender Angst vor Entwicklungen, über die die Kontrolle zu verloren gehen scheint, treten in Gestalt von Bürgerwehren Gruppierungen auf, die das Recht in die eigene Hand nehmen wollen und behaupten, dass der Staat nicht adäquat auf den als Notstand identifizierten gesellschaftlichen Zustand reagiert. Sie agieren durch verschiedene Arten extra-legalen kollektiven Handelns wie Straßenpatrouillen und Selbstjustiz. Solche Bestrebungen, die oftmals dem politisch rechtsextremen Spektrum entstammen, werden als Vigilantismus bezeichnet. Sie werden unter Bezugnahme auf konkrete empirische Beispiele im Mittelpunkt des Vortrags stehen. Dies wird gerahmt von einer allgemeinen Erläuterung des Phänomens Vigilantismus sowie einer Thematisierung der besonderen Herausforderung und Verantwortung, die rechtsextreme vigilantistische Bestrebungen für den Staat und besonders für dessen Exekutive bedeuten.
Benjamin Kerst
Hochschule Düsseldorf (HSD), Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus/Neonazismus (FORENA)
10.15 Uhr
Der Vortrag diskutiert anhand konkreter Beispiele: Wo spielen Rassismus und Antisemitismus im materiellen und prozessualen Strafrecht eine Rolle? Auf welche Definitionen kann sich die Strafjustiz stützen? Welche Indizien helfen bei der rechtlichen Einordnung von Taten? Wie schärft eine grund- und menschenrechtliche Perspektive den Blick auf rassistische und antisemitische Taten? Was sollte im Verfahren im Umgang mit Betroffenen solcher Taten beachtet werden? Wie objektiv kann Recht sein und wie neutral sollten seine Akteur*innen angesichts von Rassismus und Antisemitismus sein? Wie kann die eigene Position im Verfahren und in der Gesellschaft gewinnbringend reflektiert werden?
Dr. Doris Liebscher
Juristin, Berlin
11.00 Uhr Kaffeepause  
11.30 Uhr
Im Fokus dieses interaktiven Vortrages stehen nun Sie als Fachkräfte selbst- mit ihren Potentialen und Herausforderungen in der täglichen Arbeit. Angedockt an den Titel: Was macht überhaupt besagte Haltung aus und wozu soll sie gut sein? Und wie soll sie im Umgang mit meinem Klientel nützen? Und lohnt sich der Aufwand überhaupt, sich so intensiv mit eigenen Mustern und Werten zu beschäftigen, zumal bei all dem ohnehin schon intensiven Workload?

Durch den Vortrag soll bewusst werden: Wir alle haben diskriminierende Denk- und Verhaltensmuster, beeinflusst durch die jeweilige Positioniertheit in gesellschaftlichen Macht-Verhältnissen. (Unbewusst) verletzen wir und verkennen Potentiale anderer, sind bevorteilt, aber auch Leid ausgesetzt – psychische Gesundheit, gesellschaftliche Gerechtigkeit und gute Beziehungen sind stark gefährdet. Die Entwicklung einer diversitätsbewussten Haltung kann dagegenwirken. Hin zu besserer selfcare, mehr Sensibilität und somit auch zu mehr (Selbst)wirksamkeit mit positiver Beziehungsgestaltung- zu mir und meinem Umfeld.
Nils Witt
dimecomo
13.00 Uhr Abschluss (Ausblick/Verabschiedung)  
Tagungsende & Mittagsimbiss  
     
14.00 -
17.00 Uhr
Bundesversammlung des DBH e.V. Fachverband für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik  


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Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Mitglied in der:

Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffäligenhilfe e.V.Confederation of European Probation 

 

    Kooperationspartner:

    KriPoZ Kriminalpolitische Zeitschrift

 

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