AWARE-Projekt: Psychische Gesundheit in Haft und nach der Haftentlassung

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Die psychische Gesundheit (ehemaliger) Inhaftierter spielt für die Wiedereingliederung in die Gesellschaft eine zentrale Rolle. Das Erasmus+ finanzierte Projekt “AWARE: Institutsübergreifender Aufbau von Bewusstsein für psychische Bedürfnisse im Strafjustizsystem und bei der Haftentlassung” widmet sich diesem Problembereich.

Ziel des Projekts: Partner*innen aus Wissenschaft und Praxis aus verschiedenen EU-Mitgliedstaaten arbeiten daran, ein breiteres Bewusstsein für die psychische Gesundheit (ehemaliger) Inhaftierter aufzubauen, den paneuropäischen Erfahrungsaustausch zu fördern und neue Ideen zu entwickeln. Ziel des Projektes ist die Entwicklung einer Fortbildung für nicht-fachliches Personal und ehrenamtliche Helfer*innen. Neben bestehenden Erkenntnissen zu psychischer Gesundheit in Haft und bei Haftentlassung, werden bei der Entwicklung der Fortbildung auch die Perspektiven von Inhaftierten und Personal einbezogen. Hierfür wurde im Rahmen des Projekts eine Befragung von Inhaftierten und Personal in fünf EU-Ländern durchgeführt.

Die Perspektive von Personal und Ehrenamtlichen: Eine große Mehrheit des befragten Personals glaubt, dass das Gefängnisumfeld die Entwicklung oder Verschärfung psychischer Probleme begünstigt und sieht sich regelmäßig mit auffälligem Verhalten konfrontiert. Im Umgang mit psychischen Problemen sind die meisten nicht geschult, dies erschwert die Arbeit und ist für beide Seiten belastend. Der Wunsch nach Weiterbildung im Bereich psychische Gesundheit ist dementsprechend bei den Befragten sehr groß.

Die Perspektive der Inhaftierten: Die Mehrheit derer, die bereits Formen psychischer Unterstützung erhalten haben, hat diese in Haft erhalten. Für eine erfolgreiche Wiedereingliederung sollte auch nach Haftentlassung in der Unterstützung kein Bruch entstehen, in der Praxis ist dies nicht immer so einfach umzusetzen. Ein breiteres Bewusstsein kann bereits etwas bewirken: Jeder fünfte gab an, um Unterstützung gebeten, aber keine erhalten zu haben. Viele wissen nicht an wen sie sich wenden können, wenn sie sich deprimiert fühlen. Informationen über Unterstützungsmöglichkeiten können helfen Barrieren abzubauen und den Zugang zu Angeboten zu erleichtern. Eine wichtige Rolle spielt auch die informelle Unterstützung durch Familie und Freunde. Die Mehrheit der Befragten gab an, sich am ehesten an diese zu wenden, wenn sie psychische Probleme haben.

Weitere Informationen zum Projekt: Die Infografiken zeigen erste Ergebnisse der Befragung der Inhaftierten, die vollständigen Ergebnisse der Befragung sowie weitere Projektmaterialien, finden Sie unter: http://www.aware-project.org/

Hinweis: Inhalte dieses Beitrags sowie die anhängigen Grafiken wurden von der Projekt Koordination AWARE zur Verfügung gestellt.

Abschlussveranstaltung zum Projekt:

Am 26.02.2021 von 10-12 Uhr findet die digitale AbschlussveranstaltungAWARE – psychische Gesundheit in der Haft und nach der Entlassung“ statt. Neben der Vorstellung der Projektergebnisse, ermöglicht das Event einen fachlichen Austausch zwischen den Akteuren.

Zur Anmeldung: https://us02web.zoom.us/meeting/register/tZIuceugrTsiGtHyHOqPy_Pe-k0xti7TXUzB

 

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Mitglied in der:

Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffäligenhilfe e.V.Confederation of European Probation 

 

    Kooperationspartner:

    KriPoZ Kriminalpolitische Zeitschrift

 

 

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