
Am 04.01.2026 fand der erste Digital Independence Day (DIT) statt. Initiiert wurde die Aktion unter anderem vom Autor Marc-Uwe Kling und dem Chaos Computer Club (CCC).
Das Ziel: Digitale Souveränität in kleinen, machbaren Schritten zurückerobern und mehr Compliance mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) erreichen.
Die Idee dahinter ist relativ simpel: Jeden 1. Sonntag im Monat wird zum Wechsel von Monopol-Plattformen oder -Apps zu gesellschaftsschonenderen Alternativen aufgerufen.
Der DBH-Fachverband e.V. schließt sich der Initiative ganzheitlich an. Seit 2018 bauen wir unsere digitale Souveränität durch den Einsatz von freier Software und jährlicher Auditierung aus. Unser Ziel ist es, so weit wie möglich auf quelloffene Software zu setzen, die in Deutschland gehostet wird, um eine autonome und datenschutzkonforme Speicherung und Verarbeitung von Daten zu erlauben. Die Daten von Mitarbeitenden, unseren Mitgliedern, Kund:innen sowie Parnter:innen, freizügig mit den großen Softwareunternehmen wie Google und Co. zu teilen, kam für uns nicht in Frage. Open Source klingt nach Nische – ist aber gelebte Unabhängigkeit!
Was haben wir bereits erreicht?
Nextcloud ist eine in Deutschland entwickelte Open-Source-Plattform zur Datei-Synchronisation, Freigabe und digitalen Zusammenarbeit. Neben klassischem Datei-Hosting bietet Nextcloud integrierte Funktionen wie Kalender, Kontakte, Aufgabenverwaltung und eine Office-Suite.
Element basiert auf dem offenen Matrix-Protokoll und verfolgt einen grundlegend anderen Ansatz als zentrale Plattformen. Matrix ist dezentral und föderiert. Das ermöglicht eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die nicht von einem zentralen Anbieter kompromittiert werden kann.
BigBlueButton ist ein Open-Source-Web-Konferenz-System, das speziell für den Bildungsbereich entwickelt wurde. Seit 2018 finden sämtliche Onlineveranstaltungen darüber statt.
Mautic ist eine Open-Source-Marketing-Automatisierungsplattform, die sich für den Versand von Newslettern oder anderen automatisierten Mails (Verteiler) eignet.
Mailcow ist eine umfassende Open-Source-Mailserver-Suite. Sie ermöglicht E-Mail-Hosting, Kalender, Kontakte, Spam-/Virenschutz und mehr.
OpenProject ist ein webbasiertes Projektmanagement-Tool aus Deutschland, das sowohl klassische als auch agile Methoden unterstützt. Die Software ermöglicht Gantt-Diagramme, Zeiterfassung, Ticketverwaltung, Meilensteinplanung, Teamkommunikation und vieles mehr.
CryptPad ist ein Open-Source-Tool aus Frankreich, das kollaborative Arbeit an Texten, Präsentationen und Tabellen in Echtzeit ermöglicht – mit vollständiger clientseitiger Verschlüsselung. Niemand außer den Beteiligten hat Zugriff auf die Inhalte. Das Tool wird intern, aber auch mit Externen genutzt.
LimeSurvey ist ein browserbasiertes Werkzeug zur Erstellung strukturierter Online-Umfragen. Das Tool wird primär im Bereich des Veranstaltungsmanagements eingesetzt.
Zugegeben, ein Wechsel aus den sehr bequemen Ökosystemen ist nicht immer leicht. Aber es ist möglich! Die oben aufgeführten Lösungen hostet der DBH-Fachverband e.V. selbst in deutschen Rechenzentren. Die Umstellung weiterer Bereiche ist geplant. Unseren Mitgliedseinrichtungen stellen wir die Nutzung ausgewählter Software bei Bedarf ebenfalls bereit.
Zum Hintergrund:
Die meisten bekannten Plattformen und Apps haben Ihren Sitz in den USA. Recht fassungslos muss man auf die Entwicklung in den USA und die bekannt gewordenen US-amerikanische Verbindungen von rechtskonservativer Politik und opportunistischen IT-Milliardären schauen. Und man sollte sich bewusst machen: US-Behörden haben nach dem Cloud Act rechtmäßigen Zugriff auf die Daten, die US-Anbieter speichern, auch wenn die Server zum Beispiel in Europa stehen. Die letzte Meldung aus Brüssel trägt nicht zur Beruhigung bei: Angesichts der zunehmenden Spannungen zwischen der EU und den USA wirft ein neuer Bericht den großen Technologieunternehmen vor, rechtsextreme Europaabgeordnete zu umwerben, um die Regulierungsbefugnisse der EU in Bezug auf KI und Daten zu schwächen. Nach dem Bericht haben große Technologieunternehmen wie Google, Microsoft und Meta ihre Treffen mit rechtsextremen Gruppen im Europäischen Parlament im Vorfeld der Initiative der Kommission im letzten Jahr verstärkt.
Diese Entwicklung gefährdet nicht nur unsere Privatsphäre, sondern auch die Grundlagen einer freien und demokratischen Gesellschaft. Es reicht nicht, sich ständig über die Probleme zu beklagen, sondern man muss vorhandene Strukturen hinterfragen und nach Alternativen schauen. Und die gibt es! Auch wenn Alternativen (bisher) nicht die gleiche Gebrauchstauglichkeit wie die großen US-Angebote bieten, ermöglicht der Wechsel unabhängiger und freier zu werden. Auch Brüssel hat dies erkannt: Mit der Gründung der Initiative EuroStack entsteht ein Projekt, das Europas digitale Selbstbestimmung voranbringen soll. In Verbänden wie der Open Source Business Alliance (OSBA) finden sich zahlreiche IT-Dienstleister, die sich hierauf spezialisieren.