Erste geschlechterübergreifende und repräsentative Studie zur Gewaltbetroffenheit von Frauen und Männern innerhalb und außerhalb von Partnerschaften in Deutschland veröffentlicht

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Um effiziente und wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung von Gewalt zu entwickeln, braucht es verlässliche Daten, die Hinweise zum tatsächlichen Ausmaß und zur Schwere von Gewalterfahrungen in Partnerschaften sowie sexualisierter und digitaler Gewalt in Deutschland liefern. Diese Daten soll die neue Dunkelfeldstudie "Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag (LeSuBiA)" nun liefern und eine evidenzbasierte Grundlage bieten, für zukünftige Entscheidungen und Strategien zum wirksamen Gewaltschutz von Frauen, Männern und ihren Kindern.

Am 10. Februar 2026 stellten das Bundesfrauenministerium und das Bundesinnenministerium die in Kooperation mit dem Bundeskriminalamt (BKA) durchgeführte Dunkelfeld-Studie LeSuBiA vor. Diese legt nach mehr als zwanzig Jahren wieder belastbare und umfassende repräsentative Dunkelfeldzahlen zur Gewaltbetroffenheit von Frauen und erstmals auch von Männern in Deutschland vor. Sie ist die erste geschlechterübergreifende und repräsentative Studie zur Gewaltbetroffenheit von Frauen und Männern innerhalb und außerhalb von Partnerschaften in Deutschland.

Ausgewählte zentrale Ergebnisse der Studie lauten:

  • 48,7 % der Frauen und 40,0 % der Männer erleb(t)en mindestens einmal in ihrem Leben psychische Gewalt in einer (Ex-)Partnerschaft.
  • Frauen zeigen höhere Prävalenzen, wenn die gesamte Lebensspanne von psychischer Gewalt betrachtet wird. Bei der 5-Jahresprävalenz gibt es solche Geschlechterunterschiede allerdings nicht. Auch Männer weisen eine starke Betroffenheit auf und sind vergleichsweise häufig Opfer von kontrollierender Gewalt.
  • 16,1 % haben in ihrem Leben körperliche Gewalt durch den/die (Ex-)Partner:in erfahren. 5,7 % innerhalb der letzten fünf Jahre. Die Lebenszeitprävalenz ist bei den Frauen (18,0 %) höher als bei den Männern (14,0 %). Die 5-Jahresprävalenz fällt allerdings bei den Männern (6,1 %) etwas höher aus als bei den Frauen (5,2 %), wobei die Geschlechterunterschiede nicht signifikant sind. 
  • 45,8 % haben in ihrem Leben sexuelle Belästigung erfahren. 26,5 % gaben an, innerhalb der letzten fünf Jahre von sexueller Belästigung betroffen gewesen zu sein. Der überwiegende Anteil ist von sexueller Belästigung ohne Körperkontakt betroffen (Lebenszeitprävalenz: 40,4 %; 5-Jahresprävalenz: 24,8 %), der Anteil an Betroffenen von sexueller Belästigung mit Körperkontakt liegt bei 26,8 % (Lebenszeitprävalenz) bzw. 9,7 % (5-Jahresprävalenz).
  • Frauen sind deutlich häufiger von sexueller Belästigung betroffen als Männer. Die 5-Jahresprävalenz liegt bei Frauen bei 36,3 %, bei Männern bei 16,3 %. Die Lebensprävalenz liegt bei sexueller Belästigung ohne Körperkontakt bei Frauen bei 56,7 % und bei Männern bei 23,5 %. Die Lebensprävalenz bei sexueller Belästigung mit Körperkontakt liegt bei Frauen bei 40,8 % und bei Männern bei 12,3 %. Die Betroffenen sind vergleichsweise jung: Über 80 % der 16- bis 24-jährigen Frauen haben in den letzten fünf Jahren Erfahrung mit sexueller Belästigung ohne Körperkontakt gemacht.
  • Unabhängig von der Gewaltform zeigt sich bei Frauen eine höhere Inzidenz und Schwere der Gewalt als bei Männern. Frauen erfahren eine höhere Mehrfachviktimisierung.
  • Bei körperlicher und psychischer Gewalt werden männliche Opfer überwiegend Opfer von Frauen. Zu mindestens einem Drittel werden sie Opfer von Männern bei sexueller Belästigung, sexuellem Übergriff und Stalking. Bei digitaler Gewalt werden Männer sogar zu über zwei Drittel Opfer von männlichen Tätern.
  • Personen mit Migrationshintergrund weisen über nahezu alle in der Studie untersuchten Gewaltformen eine höhere Gewaltbetroffenheit auf, als Personen ohne Migrationshintergrund, wobei Frauen teilweise besonders stark betroffen sind. 

Weitere Informationen finden Sie hier

Die Ergebnisse der Dunkelfeldstudie finden Sie hier

 

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Mitglied in der:

Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffäligenhilfe e.V.Confederation of European Probation

Kooperationspartner:

Deutscher Präventionstag
KriPoZ Kriminalpolitische Zeitschrift

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