Seminarbericht: Desistance from crime – Ausstieg aus kriminellen Karrieren

DBH (e.V)

Das Seminar „Desistance from crime – Ausstieg aus kriminellen Karrieren“ fand vom 23.- 24. Juli 2020 in Heidelberg statt. Die Seminarleitung oblag Dr. Susanne Beier, Diplom-Psychologin.

Der zentrale Fokus der Desistance-Forschung liegt auf dem Prozess des nachhaltigen Ablassens von Kriminalität, wenn zuvor eine kriminelle Karriere vorhanden war (Maruna, 2001). Dieser Ausstiegsprozess ist nicht selten von Phasen der Ambivalenz, Unentschiedenheit, Entscheidungsänderungen, Kompromissen sowie Rückfällen gekennzeichnet (Burnett, 2004 zitiert nach Kazemian, 2007).

Im ersten Teil des Seminars wurden verschiedene theoretische Ansätze zur Erklärung des Phänomens, dass Straftäter*innen ihre kriminelle Karriere dauerhaft beenden, näher betrachtet. Hierbei wurden ausgewählte Theorien betrachtet, die sich drei groben Richtungen zuordnen lassen:

  • Biologische und altersbasierte Ansätze mit einem Fokus auf biologischen Prozessen, Altersprozessen sowie Reifung
  • Soziale Bindungs-/Kontrolltheorien, welche den Zusammenhang zwischen Desistance und Umständen außerhalb der Person (z.B. familiären Bindungen, Arbeit und Bildung) betonen
  • Theorien mit einem Fokus auf kognitiven Transformationen, Handlungsfähigkeit und Identitätsveränderungen

Im zweiten Teil wurden das Risk-Need-Responsivity-Model (Bonta & Andrews, 2017) sowie das Good Lives Model (Ward, 2002; Ward & Steward, 2003a; Ward & Gannon, 2006) vorgestellt und beide Ansätze im Hinblick auf Erkenntnisse aus der Desistance-Forschung diskutiert.

Aus der Desistance-Forschung lassen sich Informationen für Interventionen der Straffälligenhilfe ableitet (Kazemian, 2007), auch wenn einschränkend festgehalten werden muss, dass bisher wenig Forschung zu der Frage vorliegt, wie Akteure des Strafrechtssystems den Desistance-Prozess unterstützen können. Die Desistance-Forschung legt beispielsweise nahe, dass eine der Hauptaufgaben der Straffälligenhilfe darin besteht, den Klienten Hoffnung zu machen und diese mit den Klienten zu bewahren (Farrell & Calvery, 2006). Solche praktischen Implikationen wurden zum Ende des Seminars mit den Teilnehmer*innen erarbeitet.

Insgesamt bot das Seminar eine fundierte Einführung in die oben genannten Aspekte, indem richtungsweisende Forschungsansätze und aktuelle Studien vorgestellt und besprochen wurden. Durch den Rückgriff auf konkrete Fallbeispiele und Filmsequenzen wurden die Inhalte zudem so aufbereitet, dass sie an die Erfahrungen und Arbeitsfelder von Praktiker*innen anschließen. Durch das Arbeiten in Kleingruppen bestand außerdem die Möglichkeit, Implikationen für die Straffälligenhilfe, welche sich aus der Desistance-Forschung ergeben, praktisch zu erproben bzw. mit den Teilnehmer*innen zu diskutieren.

Die positive Rückmeldung der Teilnehmer*innen sowie die hohe Nachfrage von Interessierten haben uns darin bestärkt, das Seminar in Zusammenarbeit mit Frau Dr. Beier auch im nächsten Jahr wieder anzubieten.

 

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Mitglied in der:

Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffäligenhilfe e.V.Confederation of European Probation 

 

    Kooperationspartner:

    KriPoZ Kriminalpolitische Zeitschrift

 

 

Scroll to Top