
Der Verein hoppenbank e.V. beteiligt sich derzeit an zwei europäischen Projekten im Justizkontext: FLEXability und HOPE. Während FLEXability die Lernbedingungen im Strafvollzug verbessern möchte, widmet sich das Projekt HOPE der Förderung der psychischen Gesundheit von Menschen im Umfeld des Justizvollzugs.
Was ist FLEXability?
Das EU-Projekt FLEXability läuft vom 01.12.2025 bis zum 01.12.2027 und wird im Rahmen von Erasmus+ sowie durch das Bundesinstitut für Berufsbildung gefördert. Koordiniert wird das Projekt von der Interchange Non-Profit gUG aus Bremen.
FLEXability ist ein Berufsbildungsprojekt, das die Lernbedingungen im Strafvollzug verbessern möchte. Ein besonderer Fokus liegt auf erwachsenen Inhaftierten mit Dyslexie. Viele Menschen im Strafvollzug haben Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben, die häufig unerkannt bleiben und ihre Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten einschränken.
Ziel des Projekts ist es, die pädagogischen Kompetenzen von Mitarbeiter:innen im Justizvollzug zu stärken, flexible Lehr- und Lernmethoden zu entwickeln und das Bewusstsein für Lernschwierigkeiten zu erhöhen. Zudem werden speziell angepasste Lernmaterialien für Menschen mit Dyslexie erarbeitet.
Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die Entwicklung eines wissenschaftlich fundierten Screening-Verfahrens zur frühzeitigen Erkennung von Lernstörungen. Die ersten Screening Tests und Befragungen laufen im Mai an. Darauf aufbauend werden Schulungen und Workshops für Mitarbeitende im Strafvollzug entwickelt und angeboten sowie pädagogische Leitfäden und Unterrichtsmaterialien erstellt. Die Ergebnisse sollen anschließend europaweit verfügbar gemacht werden.
Am Projekt beteiligt sind Partnerorganisationen aus Deutschland, Rumänien, Polen und der Türkei. FLEXability trägt dazu bei, die pädagogische Betreuung von Menschen mit Lernschwierigkeiten im Strafvollzug zu verbessern und ihre Chancen auf gesellschaftliche Reintegration zu stärken.
Was ist HOPE?
Das HOPE Projekt „Holistic Outreach for (former) Prisoner and Employee Mental Health“ ist ein durch Erasmus+ gefördertes EU-Projekt, das von November 2025 bis Oktober 2027 umgesetzt wird. Ziel des Projekts ist es, die psychische Gesundheit im Justizkontext langfristig zu stärken und dafür praxisnahe sowie nachhaltige Ansätze zu entwickeln.
Im Zentrum steht dabei die Frage, wie Menschen im Justizsystem besser unterstützt werden können, sowohl Mitarbeitende in Justizvollzugsanstalten als auch (ehemals) Inhaftierte und deren Angehörige. Sie sind im Alltag häufig mit besonderen psychischen Belastungen konfrontiert, für die es bislang nicht immer ausreichend strukturierte Angebote gibt. HOPE setzt genau hier an und möchte dazu beitragen, bestehende Strukturen weiterzuentwickeln und zu verbessern.
Koordiniert wird das Projekt von Hoppenbank e.V. und Interchange (Bremen, Deutschland). Gemeinsam mit Partnerorganisationen aus Rumänien, Italien und Griechenland wird HOPE international umgesetzt. Dazu gehören das Centrul pentru Promovarea Invatarii Permanente und die Oradea Penitentiary in Rumänien, EUTHRIVE in Italien sowie das Athens Lifelong Learning Institute in Griechenland. Ergänzt wird das Projekt durch assoziierte Partner wie die Justizvollzugsanstalt Bremen, das Schweizer Haus Hadersdorf sowie die Justizvollzugsanstalt Chania und Agia Rural in Griechenland.
Ein erster wichtiger Meilenstein im Projekt war bereits die Durchführung der „Free Listing Exercise“ in allen Partnerländern. Dabei wurden systematisch Erfahrungen, Perspektiven und Bedarfe von Menschen im Justizkontext erhoben. Diese Ergebnisse bilden eine zentrale Grundlage für die weitere Entwicklung des Projekts, da sie sicherstellen, dass die später entstehenden Materialien eng an der Praxis orientiert sind.
Auf dieser Basis entwickelt HOPE im weiteren Verlauf mehrere konkrete Bausteine und Materialien für die Praxis. Dazu gehören Leitlinien zur Umsetzung von Mental-Health-Maßnahmen in Justizvollzugsanstalten, ein evidenzbasiertes Evaluations-Toolkit zur Einschätzung und Weiterentwicklung bestehender Angebote sowie ein vierteiliges Video-Training für Fachkräfte. Ergänzt wird dies durch ein umfassendes HOPE-Handbuch, in dem alle Ergebnisse und Erkenntnisse des Projekts zusammengeführt werden.
Im weiteren Verlauf werden diese Materialien in den jeweiligen Partnerländern erprobt und weiterentwickelt. Den Abschluss des Projekts bildet eine internationale Konferenz in Bremen, bei der die Ergebnisse vorgestellt und in den europäischen Fachaustausch eingebracht werden.
HOPE versteht sich damit als Beitrag zu einem nachhaltigeren und stärker gesundheitsorientierten Umgang mit psychischer Gesundheit im Justizsystem, mit dem Ziel, sowohl Mitarbeitende als auch (ehemals) Inhaftierte besser zu unterstützen.
Wir freuen uns sehr über die Möglichkeit, uns im Rahmen der EU-Projekte europaweit zu vernetzen, neue Erkenntnisse für die Praxis zu gewinnen und gemeinsam Ansätze zu entwickeln, die langfristig zu einem besseren Strafvollzug beitragen können.
Wen kann ich bei weiteren Fragen kontaktieren?
HOPE Projekt: Kayley Randles / Telefon: 0176 72081183 / randles@hoppenbank-ev.de
FLEXability Projekt: Luca Marie Adam / Telefon: 0421 3394340 / adam@hoppenbank-ev.de