Kinder von inhaftierten Eltern in Bremen: Neue Landeskoordinierungsstelle Kinder von Inhaftierten des Hoppenbank e.V.

alphaspirit/stock.adobe.com

In Kooperation mit der Bremer Senatorin für Justiz und Verfassung, der Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration und dem bundesweit tätigen Netzwerk Kinder von Inhaftierten startet der freie Träger Hoppenbank e.V. zum 01.03.2026 eine landesweit tätige Koordinierungsstelle mit der Aufgabe der Organisation einer umfassenden und Hilfesysteme übergreifenden Unterstützung von Kindern und Familien inhaftierter Elternteile.

Kinder von inhaftierten Eltern leben häufig schon vor der Inhaftierung in belasteten Lebensverhältnissen, die sie zu einer besonders vulnerablen Bevölkerungsgruppe machen. Die Inhaftierung eines Elternteils bedeutet für die Kinder einen massiven Einschnitt in ihr Leben: die Trennung durch die Haft stellt eine massive seelische Belastung dar, geprägt von Gefühlen der Scham, Schuld, einer Angst vor Stigmatisierung und Verlustängsten. Begleitforschung und Erfahrungsberichte zeigen, dass ein regelmäßiger persönlicher Umgang mit ihren inhaftierten Eltern Kindern helfen kann, besser mit der Situation umzugehen.

Neben den psychischen Belastungen gibt es schwerwiegende ökonomische und strukturelle Auswirkungen: Der Wegfall eines Haushaltseinkommens erhöht das Armutsrisiko der Familie. Die nicht inhaftierten Elternteile, in der Regel die Mütter, müssen häufig erstmalig mit Behördengängen, Antragstellungen und existenziellen Unsicherheiten betreffend Wohnraum, Lebenshaltung, Kinderbetreuung und Gesundheitsversorgung umgehen. Die Risiken sozialer Isolation und langfristig wirkender Benachteiligungen für eine gelingende Entwicklung der Kinder sind hoch.

Die betroffenen Kinder und Familien bilden eine von kommunalen Hilfesystemen bisher sehr wenig bis kaum fokussierte Gruppe. Der Hoppenbank e.V. hat bereits vor einigen Jahren – u.a. in Kooperation mit der Familienbeauftragten der JVA Bremen - Projekte wie regelmäßige gemeinsame Familiennachmittage mit den inhaftierten Vätern in der Bremer JVA, angeleitete Gruppenangebote für inhaftierte Väter sowie Begegnungen und Beratungsgespräche, für die nicht inhaftierten Elternteile initiiert.

Mithilfe des bundesweiten Netzwerks Kinder von Inhaftierten (www.netzwerk-kvi.de), welchem bereits 6 weitere Bundesländer angehören, wird die Bremer Landeskoordinierungsstelle durch den Aufbau und Ausbau regionaler und überregionaler Netzwerke, die Vernetzung und Initiierung sowie Förderung von ressortübergreifenden Kooperationen zwischen den Akteur:innen wie Justizvollzugsanstalten, sozialen Diensten, den Jugendämtern sowie Trägern der freien Kinder- und Jugendhilfe, Schulen und Kindergärten dazu beitragen, belastende Lebenslagen sichtbar zu machen, Zugänge zu Hilfesystemen zu erleichtern und die familienorientierte Straffälligenhilfe und familiengerechte Vollzugsgestaltung  auf Grundlage der durch die UN-KRK garantierten Kinderrechte und auf Basis des bestmöglichen Kindeswohls in gemeinsamer Verantwortung weiterzuentwickeln.

Mission der Landeskoordinierungsstelle

Die Landeskoordinierungsstelle soll eine erste Anlaufstelle für betroffene Familien werden und ihnen fachliche Beratung zur Situation anbieten. Zugänge zu weiteren Hilfen wie Erziehungsberatungsstellen, Frühen Hilfen und Angeboten der freien Kinder- und Jugendhilfe, zu psychosozialer Beratung, Jobcentern und Schuldnerberatungen werden vermittelt.

Die Weiterentwicklung und Ausweitung von kindgerechten und beziehungsfördernden Kontaktmöglichkeiten in der JVA soll in Kooperation mit der Familienbeauftragten der JVA vorangetrieben werden durch konkrete Maßnahmen wie z.B. eine Erweiterung der Besuchszeiten durch zusätzliche Familiennachmittage und die Erweiterung des Angebots an Vätergruppen im Strafvollzug, damit möglichst viele Väter in ihren elterlichen Kompetenzen gestärkt werden können.

Es werden Impulse und eine fachliche Begleitung für neue Projekte wie erweiterte Angebote für Eltern und Kinder außerhalb der JVA durch Vernetzung mit verschiedenen Akteur:innen der Hilfesysteme gegeben. So sollen Freizeitangebote und Ausflügen für betroffene Familien stattfinden, um Austausch zu ermöglichen, sich gegenseitig zu unterstützen und zu beraten und auf diese Weise Entlastung und Solidarität zu erfahren.

Durch gezielte Fachtage und Schulungen sollen das Justizpersonal, Mitarbeiter:innen freier Träger der Jugendhilfe sowie Kindergärten und Schulen für die spezifische Situation sensibilisiert werden. Durch eine aufklärende Presse-, Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit sollen die Öffentlichkeit sowie politische Entscheidungsträger:innen informiert und sensibilisiert werden.

Der Aufbau eines stabilen Netzwerks wird angestrebt, das bedarfsspezifische Angebote für einen kindgerechten, nachhaltigen familiensensiblen Vollzug in Bremen konzipiert und evaluiert sowie die Entwicklung und Umsetzung landesweiter Mindeststandards einer familienorientierten Vollzugsgestaltung in gemeinsamer Verantwortung voranbringt.

Hoppenbank e.V. ist ein gemeinnütziger Verein in Bremen, der seit 1971 Menschen begleitet und unterstützt, die von Straffälligkeit, Wohnungslosigkeit oder sozialer Benachteiligung betroffen sind, sowie deren Angehörige. Der Verein verfolgt einen ganzheitlichen, ressourcenorientierten Ansatz, bei dem die individuellen Stärken und Bedürfnisse der Betroffenen im Mittelpunkt stehen. Hoppenbank bietet Beratung, Betreuung und praktische Hilfen an, um den Menschen eine nachhaltige Stabilisierung zu ermöglichen und um sie zu befähigen, ein selbstbestimmtes und selbstverantwortliches Leben zu führen. Dabei legt der Verein besonderen Wert auf eine akzeptierende, vorurteilsfreie Haltung und respektiert die Lebenssituationen seiner Klient:innen, ohne sie zu stigmatisieren.

Kontaktmöglichkeit: landeskoordinierungsstelle_kvi@hoppenbank-ev.de

 

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Mitglied in der:

Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffäligenhilfe e.V.Confederation of European Probation

Kooperationspartner:

Deutscher Präventionstag
KriPoZ Kriminalpolitische Zeitschrift

Folgen Sie uns auf Social Media:

DBH Fachverband Linkedin Logo

Scroll to Top