"Nachstellung, „Stalking“ ist eine Form missbräuchlicher (Paar)Beziehung. Solche Beziehungen sind sehr stabil, weil die Wiederholung eines Traumas in späteren Beziehungen zumeist der unbewusste Versuch ist, eine traumatische Erfahrung doch noch zu meistern oder aufzulösen. Solche Reviktimisierungen in einer (Stalking) Beziehung werden um so wahrscheinlicher, je mehr sogenannte „negative Beziehungsintrojekte“ mit der Überzeugung verbunden sind, Misshandlung und Strafe für gerechtfertigt zu halten. Zusätzlich kann eine geringe Selbstwirksamkeitserwartung durch stetig neue negative Erfahrungen traumatischer Hilflosigkeit die Entwicklung eigener Grenzen beeinträchtigen. Als Folge dessen werden solche, den traumatischen Erfahrungen ähnliche Situationen in aktuellen (Paar)Beziehungen immer wieder hergestellt, um sie nun kontrollieren, beeinflussen und vielleicht dadurch bewältigen zu können. Die Wiederholung alter Traumata ist neben der psychischen Dissoziation eine der wichtigsten Anpassungsreaktionen auf schwere Stressereignisse. Oft werden Situationen so lange wiederholt, bis durch abwechselnde Annäherung und Vermeidung eine Meisterung des ursprünglichen Ereignisses wenigstens in Ansätzen gelingt. Polizei und Strafjustiz, soziale Arbeit und Beratungsstellen kommen mit solchen Reinszenierungen dann in Kontakt, wenn Außenstehende auf das destruktive Geschehen aufmerksam werden oder Beteiligte selbst sich an die entsprechenden Institutionen wenden, weil sie Kontrollverluste befürchten oder ihnen (schwere) Verletzungen zugefügt wurden. Im Umgang der Institutionen mit solchen (Paar)Beziehungen wiederholen sich (unbewusst) die oben genannten Beziehungsdynamiken und insbesondere die Gefühle von Allmacht und Ohnmacht in der Bewältigung solcher „Akten“ oder der Beziehungsarbeit mit den Beteiligten."
Der Fachtag zielt darauf ab, solche Dynamiken zu verstehen und institutionsübergreifend nach Auswegen aus den Allmachts-/Ohnmachtsgefühlen im Umgang mit den Akten und den Betroffenen zu suchen.
Veranstaltende: PD Dr. Iris Stahlke, PsychKon e.V., Täter-Opfer-Ausgleich Bremen
Wo: Forum am Domshof, Domshof 26, 28159 Bremen
Wann: 08.-09.09.2026
Anmeldeschluss: 15.08.2026
Weitere Informationen finden Sie unter folgendem Link: https://www.uni-bremen.de/universitaet/campus/veranstaltungskalender/event/20-jahre-kriseninterventionsteam-stalking-stalking-kit-in-bremen