Prof. Peter Raynor: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Bewährungshilfe (3. Weltkongress)

Auf der Website der CEP ist eine kurze Zusammenfassung des Vortrages von Peter Raynor, Professor an der Swansea Universität (Großbritannien), über die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Bewährungshilfe, vorgetragen auf dem beim 3. Weltkongress der Bewährungshilfe, nachzulesen.  

Prof. Raynor skizziert darin die Ursprünge der Bewährungshilfe, die auf das neunzehnte Jahrhundert zurückgehen. Die Bewährungshilfe als öffentliche Dienstleistung innerhalb der Strafjustiz ist größtenteils ein Produkt des 20. Jahrhunderts. Die Erforschung der Auswirkungen der Bewährung begann erst viel später, in den fünfziger Jahren. 

Bewährung wurde in den 50er Jahren unter vielen Kriminologen als moderne Methodik zur Behandlung von Straftätern gesehen, wie etwa die Aussage von Manuel Lopez-Rey, der Leiter der Abteilung für Soziale Verteidigung der Vereinten Nationen war, 1957 verdeutlicht: "Wenn ich gefragt würde, was unter den modernen Methoden zur Behandlung von Straftätern am aussichtsreichsten ist, ohne zu zögern, würde sagen: Bewährung“.  Während der 60er Jahre wuchs die Bewährungshilfe personell wie dies auch bei den Wohlfahrtsdienste im Allgemeinen zu beobachten war. Ihre Wirksamkeit wurde weitgehend als selbstverständlich vorausgesetzt, ohne das Vorhandensein eines empirischen Nachweises. Die Forschung widmete sich erst in den 70er Jahren mit der Frage nach der Wirkung der Bewährungshilfe zu. So wurden einige Studien veröffentlich, die die nachhaltige Wirkung der Bewährungshilfe in Frage stellte, wie z.B. die 1976 veröffentlichte "IMPACT" -Studie der britischen Regierung, nach der Probanden mit kleineren Straftaten und intensiver sozialer Unterstützung, nur geringfügig weniger kriminell als Probanden ohne Unterstützung blieben.  

Die gängige Ansicht, dass Bewährungshilfe nicht wirksam sei, hielt sich bis in die 1990er Jahre. 

Prof. Raynor stellt in seinem Vortrag die These auf, dass nicht die Antwort auf die Wirksamkeit der Bewährung gesucht werden müsse, sondern wie, mit welcher Unterstützung und in welchen politischen Kontexten diese Wirksamkeit erreicht wird.   

Er plädiert daher für eine sozialwissenschaftliche Bewertungsmethode der Bewährungsstrafe. Die sozialwissenschaftliche Beurteilung hängt im Wesentlichen von drei Prozessen ab, die als Verstehen, Messen und Vergleichen bezeichnet werden können. In der Bewährungshilfe gehe es darum zu verstehen, was Menschen tun. Die Auswirkungen dieser Motive seien zu messen. Die Messergebnisse seien anschließend auszuwerten und zu vergleichen. 

Prof. Raynor beendet seinen Vortrag mit einer Empfehlung für die Weiterentwicklung Bewährungshilfepraxis: Die aktive Einbeziehung von ehemaltigen Straftäter, die Verbesserung der Kommunikation mit den Bewährungshelfer*innen sowie eine verbesserte Kommunikation mit den politischen Entscheidungsträgern. 

Gefördert von:

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Mitglied in der:

Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffäligenhilfe e.V.Confederation of European Probation 

    Kooperationspartner:

    KriPoZ Kriminalpolitische Zeitschrift

 

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