Jugendstrafvollzug: "Die Gefangenen werden immer schwieriger...?" - Studienergebnisse der Universität Tübingen

In ihrem Beitrag zur Fachtagung: „Resozialisierung mit Zukunft“ in der Evangelischen Akademie Bad Boll am 18.07.2017 stellen Dr. Wolfgang Stelly und Dr. Jürgen Thomas vom Institut für Kriminologie der Universität Tübingen Ergebnisse verschiedener Studien aus den Jahren 1991, 2009 und 2012 vor.

Die Auswertungen zeigen für Baden-Würtemberg ein differenziertes Bild: Das Durchschnittsalter der jungen Inhaftierten liegt weiterhin bei 20 Jahren; ebenso ist die Zahl der allgemeinen Suchproblematik sowie die Situationsbeschreibung in der Herkunftsfamilie (broken home) annähernd gleichgeblieben. Veränderungen zeichnen sich etwa durch Rückgang der inhaftierten Personen mit vorhandenem Schul- und Berufsabschluss aus. Hatten noch 1991/1992 ca. 64 % der inhaftierten Jugendlichen eine berufliche Bildung im Vollzug begonnen, lag der Anteil 2009/2010 bei 32 %. Der Anteil der nach im Inhaftierungsgrund enthaltenden Deliktsgruppe der "Gewaltdelikte" ist seit 1991 um 34 Prozentpunkte gestiegen, wohingegen Delikte gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie Diebstahldelikte als Inhaftierungsgrund deutlich abgenommen haben. Gegenüber 1991/1992 sind 2009/2010 die Zuschreibungen von Verhaltensauffälligkeiten um fast 50% angestiegen.

Als mögliche Erklärungen nennen Dr. Selly und Dr.Thomas:

  • "Die Gefangenen und ihr Verhalten haben sich verändert."
  • "Die (soziale) Distanz Gefangene –Beschäftigte hat sich vergrößert."
  • "Veränderte Anforderungen an die Gefangenen."
  • "Anderer Umgang mit Autorität."

Die Schlussfolgerungen lauten:

  • "Die Gefangenen haben sich verändert! Ob sie schwieriger wurden ist nicht klar zu beantworten."
  • "Gefangene waren schon früher und sind auch heute noch ein schwieriges Klientel mit vielen Problemlagen!"
  • "Der (Jugend-)Strafvollzug kann diese Problemlagen nicht allein bearbeiten!"
    • "schlechte Rahmenbedingungen (kein Wohngruppenvollzug, fehlende Differenzierungs-und Trennungsmöglichkeiten, Subkulturproblematik)"
    • "fehlendes „Knowhow“
    • "kurze Verweildauer"
  • "Ambulanten Einwirkungsmöglichkeiten sollte der Vorzug gegeben werden."
  • "Veränderung der Schwerpunkte der vollzuglichen Arbeit"
  • "Übergangsmanagement, Vernetzung mit Akteuren der Straffälligenhilfe, Jugendhilfe, Arbeitsagentur etc. muss an Bedeutung gewinnen"

Gefördert von:

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Mitglied in der:

Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffäligenhilfe e.V.Confederation of European Probation 

    Kooperationspartner:

    KriPoZ Kriminalpolitische Zeitschrift

 

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