Kurzbericht zur Mitgliederversammlung und CEP Directors General Meeting (Dublin, 23.-24.10.2019)

CEP

Die CEP (Confederation of European Porbation) richtete vom 23. bis 24. Oktober die 8. Konferenz für ihre Mitglieder*innen, in Kooperation mit der irischen Bewährungshilfe, in Dublin aus. Die zweitätige Konferenz stand unter dem Motto „the purpose of probation“ (Zweck und Aufgabe der Bewährungshilfe), die mehr als 50 Teilnehmer*innen aus zahlreichen europäischen Ländern besuchten. Am Tag zuvor wurde die alle drei Jahre stattfindende Mitgliederversammlung der CEP ausgerichtet. Neben der Besprechung und Verabschiedung der Strategie für die nächsten Jahre, wurde auch ein neues Board (Vorstand) gewählt.

Die Konferenz wurde von Vivian Geiran, Direktor der Bewährungshilfe von Irland, und David Stantin, Minister für Justiz und Gleichstellung von Irland, am 23. Oktober 2019 eröffnet. David Stantin und Vivian Geiran betonten in ihrer Eröffnungsrede u.a. die Bedeutung von Kooperation und Zusammenarbeit auf der nationalen sowie lokalen Ebene am Beispiel der in Irland eingesetzten „Joint Agency Response to Crime“ (JARC), um Straffällige in die Gemeinschaft zu integrieren und das Risiko einer Rückfallwahrscheinlichkeit zu reduzieren.

Im Anschluss hinterfragte Prof. Fergus McNeill, Glasgow University (Schottland), den Auftrag und Zweck der Bewährungshilfe in unserer Gesellschaft im Kontext eines europaweit festzustellenden Anstiegs von Bewährungsunterstellungen bei gleichzeitigem Rückgang von Inhaftierungszahlen und polizeilich registrierten Zahlen. Fergus McNeill schlägt vor, dass das vorrangige Ziel der Bewährungshilfe sein muss, einen Beitrag zu einer gerechteren Gesellschaft zu leisten. Allen muss bewusst sein, dass eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe oder zur Bewährungsstrafe (bzw. Aussetzung der Freiheitsstrafe zur Bewährung) mit einer Verletzung der Person einhergeht. Zum Schluss plädierte Prof. McNeill dafür, die Verantwortung der Integration nicht als eine alleinige Aufgabe der Bewährungshilfe zu sehen. Die ganze Gemeinschaft muss dafür Verantwortung übernehmen. Die Gemeinschaft sollte jede Anstrengung unternehmen, so lange wie möglich zu versuchen, Personen vor „Eintritt“ in das Justizsystem zu bewahren, z.B. durch Rückgriff auf Ansätze wie die stärkere Anwendung von Diversion, gemeinschaftlichen orientierten Konfliktmöglichkeiten, Mediation, Restorative Justice bis hin zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts in der Gemeinschaft. Sanktionierung und Bestrafung sollte so lange wie möglich vermieden werden!

Annies Davos (Leiterin der Bewährungshilfe in Belgien) setzte sich in ihrem Vortrag mit der Frage auseinander, welche Rolle die Ethik bei der Digitalisierung in der Bewährungshilfe spielen sollte. Frau Davos warb dafür, Technologie und technologische Instrumente immer nur als ein Hilfs- und Unterstützungssystem zu betrachten, die nicht die Fachlichkeit der Bewährungshelfer*innen ersetzen sollte. Beim Einsatz technologischer Instrumente sollte stets hinterfragt werden, zu welchem Zweck diese tatsächlich benötigt werden.

Während einer Podiumsdiskussion unterhielten sich Anna Esquerra und Maria Lindström mit den CEP-Ehrenmitgliedern Mike Nellis, Leo Tigges, Rob Canton und Anton van Kalmthout über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Bewährungshilfe in Europa.

Der zweite Tag wurde von Prof. Ioan Durnescu, Universität Bukarest (Rumänien) mit einem Vortrag zum Thema „09.00 – 09.45 From mass to deep supervision: transformations in the offender supervision“ eröffnet. Nachdem sich Prof. Fergus McNeill der Frage sozialtheoretisch genähert hat, welchen Zweck die Bewährungshilfe haben sollte, wählte Prof. Durnescu einen empirischen Zugang. Auch Prof. Durnescu stellte fest, dass sich europaweit ein Anstieg von Bewährungsunterstellungen bei gleichzeitigem Rückgang der Inhaftierungszahlen abzeichnet. Für Prof. Durnescu deuten die vorliegenden Daten auf einen möglichen net-widening-Effekt hin. Für genauere Aussagen sind deutlich mehr Daten erforderlich, die nur wenige europäische Staaten zur Verfügung stellen bzw. erheben.

Im weiteren Vormittag hatten die Teilnehmer*innen die Möglichkeit, sich zwischen folgenden Workshops zu entscheiden: Training (How to become a good probation officer), Social Enterprise (Social enterprise in the Irish criminal justice sector - Policy developments and in sweden) und Restorative Justice (Probation and Restorative Justice: Czech Republic and Latvia).

Die Veranstaltung endete mit einer Abschlusserklärung des Präsidenten.

 

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Mitglied in der:

Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffäligenhilfe e.V.Confederation of European Probation 

 

    Kooperationspartner:

    KriPoZ Kriminalpolitische Zeitschrift

 

 

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