Sinn und Unsinn aktueller Vergeltungstheorien - überholt, hilfreich, notwendig?

„Sinn und Unsinn gegenwärtiger Vergeltungstheorien – überholt, hilfreich oder notwendig zur Legitimation staatlicher Strafe?“ so lautet der Titel eines rechtsphilosophischen Aufsatzes von Philipp Bruckmann. Der Autor gibt einen Überblick über vergeltungstheoretische Strafbegründungen und hinterfragt ihre zeitgemäße Anwendung. Vergeltungstheoretische Strafbegründungen leiten sich aus einer Grundhaltung die Täterschuld zu "begleichen".

Ausgehend von einem aktuellen Bespiel erörtert der Autor die Besonderheit von retributiven Grundgedanken und zitiert die Bestrafung eines Aktivisten durch das Amtsgericht Hamburg. Dieser hatte bei den G20 – Protesten 2017 in Hamburg zwei Glasflaschen auf einen Polizeibeamten in Schutzanzügen geworfen und hierfür eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten erhalten. Das Urteil sollte auch der Abschreckung dienen.

Mit dem Blick in das Strafgesetzbuch folgert Bruckmann, dass der Begriff der Vergeltung alles andere überholt sei, da er im Sinne der Prävention und Abschreckung verwandt wird. Dies müsse allerdings in Rückbesinnung auf freiheitsphilosophisch fundierte Straftheorien auf die Strafbegründung: Warum straft der Staat? hinterfragt werden. Hierbei orientiert er sich am Freiheitsbegriff von Wolff, Zaczyk, Kahlo und Köhler von der Frankfurter Schule.

Von diesem Verständnis ausgehend erörtert Bruckmann die zentrale Aufgabe einer Straftheorie unter der Hinzunahme des zu Strafenden und handelt den Vergeltungsbegriff im Kontext expressiver Straftheorien ab. Diese stellen Strafe mit Blick auf den Zusammenhang von Missbilligung der Tat, Verstoß gegen gesellschaftliche Normen und die Person in den Mittelpunkt. Sie beschreiben vor allem die kommunikative Funktion von Strafe.

Schließlich verweist Bruckmann auf die gegenwärtige Diskussion, insbesondere auf die Vergeltungstheorien von Pawlik und Kubiciel, die der Autor als „Reaktion auf Loyalitätspflichtverletzung des freien Bürgers“ beschreibt. 

Das Gesamtfazit ist schlussendlich eine Antwort auf die Ausgangsfrage: Vergeltung sei weder überholt noch nur hilfreich. Im Sinne der Komplexität und des unauflösbaren Zusammenhangs von Tat, Täter und Wiedergutmachung ist eine Straftheorie als Präventionstheorie nicht ohne einen freiheitsphilosophischen Täterbegriff denkbar und gar notwendig: die zu verurteilende Person ist nie nur potentieller Gefährder, sondern immer zugleich auch vernunftbegabtes Subjekt, freier Bürger - ein autonomes Wesen.

Den kompletten Aufsatz finden Sie unter:
https://kripoz.de/2019/03/25/sinn-und-unsinn-gegenwaertiger-vergeltungstheorien-ueberholt-hilfreich-oder-notwendig-zur-legitimation-staatlicher-strafe/

 

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Mitglied in der:

Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffäligenhilfe e.V.Confederation of European Probation 

 

    Kooperationspartner:

    KriPoZ Kriminalpolitische Zeitschrift

 

 

Scroll to Top