Spiegel Online: Studie über Urteile - Wo Deutschlands strengste Richter sind

In einer Studie des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht wurde herausgefunden, dass die Schwere eines Urteils vom regionalen Standort des Gerichts abhängt.

Volker Grundies, promovierter Physikwissenschaftler und Statistiker am Max-Planck-Institut, untersuchte 1,5 Millionen Entscheidungen aller rund 800 deutschen Amts- und Landgerichte aus den Jahren 2004, 2007 und 2010 und verglich die Urteile. Die für die Verhängung einer Strafe zu berücksichtigenden Faktoren wie die Schwere der Tat, Vorstrafen oder mildernde Umstände, Alter, Nationalität und Geschlecht wurden in der Analyse berücksichtigt. Grundies verglich die sogenannte abstrakte Strafdauer. Diese theoretische Größe erlaubte es ihm, die Strenge des Richters empirisch besser zu erfassen. Sie besagt, dass es unerheblich ist, ob der Täter eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bekam und ob diese zur Bewährung ausgesetzt wurde oder nicht.

Insgesamt zeichnete sich ein deutlich höheres Maß verhängter Strafen etwa in Oberbayern oder Südhessen im Verglich zu den restlichen Landgerichten ab. Ein deutlich geringeres Strafmaß fand sich in Baden und Schleswig-Holstein. Die strengsten Richter verortet der Autor der Studie im Landgerichtsbezirk München I, die mildesten Richter im Freiburger Bezirk aus.

Signifikante Unterschiede fanden sich bei der Strafzumessung zwischen den Regionen. So wird z.B. Raub im Mittel mit einer Freiheitsstrafe von rund zwei Jahren und zwei Monaten bestraft. In Kiel bekommen die Täter im Schnitt ein Jahr und elf Monate, in Koblenz dagegen zwei Jahre und fünf Monate. Auch bei anderen Delikten finden sich solche Unterschiede.

Die Frage der Bewährungsstrafe beleuchtete Grundies in einer getrennten Analyse am Beispiel des Raubs. Dabei stellte er ein Nord-Süd-Gefälle fest: Im Süden setzen Gerichte Strafen seltener zur Bewährung aus als im Norden.

Die Auffälligkeiten in der regionalen Strafverhängung wird in der Studie mit einer „regionalen Vererbung“ erklärt: Richter berücksichtigen in der Bewertung zahlreicher Faktoren einer Straftat ähnliche Entscheidungen vor allem aus Urteilen in ihrer Region. Als Beleg dieser These wird eine Studie von 1971 zitiert, in der 76 % der befragten Richter aussagten,  dass sie ähnlich urteilten wie ihre Kollegen. Weitere Rolle spiele auch die Politik des Landes, da Unterschiede innerhalb eines Bundeslandes eher klein sind. Die Vermutung durch informelle Gespräche liegt nah, dass Richter und Staatsanwälte sogar regionale und nicht öffentlich zugängliche Strafmaßtabellen ihren Urteilen zugrunde legen.

Weitere Informationen finden Sie unter:

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/wo-deutschlands-strengste-richter-sitzen-a-1230399.html

 

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