Studie zur Situation wohnungsloser Menschen des EBET-Fachverbandes

Seit zwanzig Jahren fehlen verwertbare Zahlen sowie eine bundesweite Statistik zur Situation von Wohnungslosen. Damit existierte bislang keine verlässliche Grundlage, um auf politischem Weg Verbesserungen der Lebenssituationen Wohnungsloser herbeizuführen. Um diesem Defizit etwas entgegenzusetzen, hat der Evangelische Bundesfachverband der Wohnungsnotfall- und Straffälligenhilfe eine umfassende Befragung zur Situation von Wohnungslosen in Deutschland in Auftrag gegeben.  

An der Berliner Alice-Salomon-Hochschule wurden im Frühjahr diesen Jahres 1135 Wohnungslose befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für alle Wohnungslosen, die in Deutschland Hilfe in den Einrichtungen der Diakonie bekommen. Insgesamt wurden deutschlandweit in 70 Einrichtungen wohnungslose Personen befragt. Wohnungslosigkeit unterscheidet sich von Obdachlosigkeit durch das Fehlen eines vertraglich abgesicherten Wohnraums. Obdachlos sind Menschen, die auf der Straße leben.

Zu den Ergebnissen:
Circa 14 Prozent der Befragten leben in Zelten oder Abrisshäusern, zwölf Prozent übernachten in Notunterkünften, die tagsüber verlassen werden müssen. Etwa drei von vier Wohnungslosen kommen bei Freunden oder Bekannten unter, wohnen in einer Pension oder leben in einem Wohnheim und werden durch Sozialarbeiter*innen betreut.

Um die Probleme der Befragten in der Komplexität ihrer Ursachen erfassen zu können, entwickelte die Forschungsgruppe der Alice-Salomon-Hochschule gemeinsam mit Mitarbeiter*innen der Diakonie und den Wohnungslosen ein Messinstrument, den sog. Lebenslagenindex.

Hierbei wurden zu den Lebensbereichen Wohnen, Gesundheit, Sicherheit, materielle Situation, Erwerbsarbeit und soziale Netzwerke/Teilhabe je eine Frage zur objektiven (z.B. Beschreibung der Einkommenssituation) und zur subjektiven (z.B. die damit verbundene Zufriedenheit) Einschätzung der Lebenssituation gestellt. Analog zur Armutsforschung soll damit die objektive Situation mit der Wahrnehmung von Betroffenen vergleichbar werden.

Erste Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild:  Etwa die Hälfte der Befragten gibt an, dass sie sich in einer mittleren Lebenslage befindet, etwa jeder fünfte Wohnungslose sieht sich selbst in einer guten oder sehr guten, 28 Prozent in einer schlechten oder sehr schlechten Lage. In der Auswertung der rein subjektiven Einschätzungen ist auffällig, dass mehr als 40 Prozent der Befragten sich in einer schlechten Lebenslage sehen.

Größte Bedeutung in der Lebenssituation von Wohnungslosen haben die existenzielle Sicherheit, der Zugang zu medizinischer Versorgung und das Sicherheitsgefühl.

Die Auswertung der rein objektiven Lebenslage erklärt den besonderen Stellenwert dieser Werte: Knapp 20 Prozent der Wohnungslosen, die auf der Straße leben, sind in einer sehr schlechten, weitere 55 Prozent in einer schlechten Lebenslage. Insgesamt befinden sich 59 Prozent der wohnungslosen Menschen, die in Notunterkünften übernachten und diese nur nachts nutzen dürfen, in einer sehr schlechten oder schlechten Lebenslage.

Bei Wohnungslosen in Wohnheimen oder in betreuten Wohngruppen liegen die Angaben unter 15 Prozent.

Zur Lösung des Problems der Wohnungslosigkeit in Deutschland werden daher verschiedene Forderungen genannt: Schnellstmögliche Unterbringung in festen Wohnungen, das Aufstellen mobiler Behausungen, die nicht dem Baurecht unterliegen, bestehende Notunterkünfte zu kleinen Wohneinheiten um zu bauen und Einschränkungen in anderen Sozialsystemen wie in der Hartz-IV-Gesetzgebung abzuschaffen.

Weitere Informationen finden Sie:

https://www.ebet-ev.de/nachrichten-leser/erste-systematische-untersuchung-der-lebenslagen-wohnungsloser-menschen.html

Diakonie/Ebet: Übersicht über erste systematische Wohnungslosen-Studie

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/wohnungslose-erste-umfassende-studie-in-deutschland-zeigt-lebenslagen-a-1234040.html

ASH/Ebet: Erste systematische Untersuchung der Lebenslagen wohnungsloser Menschen (PDF-Datei)

 

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Mitglied in der:

Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffäligenhilfe e.V.Confederation of European Probation 

 

    Kooperationspartner:

    KriPoZ Kriminalpolitische Zeitschrift

 

 

Scroll to Top