Abschlussbericht des EU-Projektes "Finding Education for Female Inmates" (FEFI)

Das von der Europäischen Union geförderte Projekt FEFI hatte die informelle und formelle Bildung von weiblichen Häftlingen im europäischen Vergleich zum Gegenstand. Die Erhebungen erfolgten zwischen 2013 und 2016 in den Ländern Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, Malta, Zypern und der Türkei.

Die Ausgangsfrage war die nach Rahmenbedingungen für Bildungs- und Lernprozesse von weiblichen Häftlingen im europäischen Vergleich. Ausgangsthese war dabei die Annahme, dass Frauengefängnisse Orte des Lernens seien, die sich auf die Bedarfe, Probleme und relevanten Bildungsbedürfnisse von weiblichen Häftlingen konzentrieren.

Die Befragungen zielten dabei auf die Themen:

  • Stand der Technik für das Lernen analog der Aspekte: Pädagogische Unterstützungen, Gefängnispersonal, Gefängnisstruktur
  • negative Aspekte wie Trennung von Kindern / Familie benennen und Wiedergewinnung des Selbstwertgefühls
  • Teilnahme an Bildungs- und Ausbildungsangeboten mit Hinblick auf ihre Wiedereingliederung nach der Haftentlassung
  • Unterstützung durch das Gefängnispersonal in Vorbereitung auf die Haftentlassung
  • mögliche Erkenntnisgewinnung über notwendige neue Verfahren / Lernmaßnahmen in Frauengefängnissen zur Verbesserung der Bildungschancen
  • mögliche Empfehlungen für die je spezifisch nationalen Gefängnisstrukturen in einem gemeinsamen europäischen Sinne

In einer ersten Befragung wurden Interviews mit weiblichen Häftlingen in allen teilnehmenden Ländern zu ihren pädagogischen Wünschen sowie zur Einschätzung zur Wiedereingliederung durch Bildung geführt.  Des Weiteren wurde ein Fragebogen für das Personal in Gefängnissen entwickelt. Insgesamt wurden 440 weibliche Häftlinge befragt.

Auszüge aus den Ergebnissen:
Etwa die Hälfte der Befragten hatte einen Beruf erlernt bzw. einen Job sowie ein Einkommen. Knapp 50 Prozent der befragten Personen lebten in Armut. In allen befragten Ländern hatten die Inhaftierten starke familiäre Bindungen. Mindestens 20% der Befragten hatten vor ihrer Haft Kontakte mit Personen, die sie zur Kriminalität verleitet haben, davon besonders viele drogenabhängige Frauen (mehr als 70%).
60% der Befragten glaubten, dass der Bedarf an qualifiziertem Personal die wichtigste Voraussetzung für gute Bildungschancen in Frauengefängnissen ist. Als wesentliches Problem nichtvorhandener oder schlechter Bildungs- und Lernmöglichkeiten wurde der Mangel an Kommunikationsprozessen (47,7%) genannt. Fast die Hälfte (42,3%) der Häftlinge gaben an, dass vor allem politische Unterstützung fehlt.

Aus den Ergebnissen der Studie wurden nachfolgende Empfehlungen abgeleitet:

  1. Verbesserung der Beratungs- und Unterstützungsangebote für weibliche Häftlinge
  2. Ganzheitlicher Ansatz: Verknüpfung von Bildung, Ausbildung und Therapie sowie Weiter-Bildung nach der Haftentlassung ermöglichen
  3. Aktive Beteiligung des Gefängnispersonals: Sensibilisierung und Qualifizierung, um Häftlinge zu motivieren
  4. Gefängnis als lernende Institution: Verbesserung der Lernmöglichkeiten
  5. Gleiche Bedeutung von Sicherheit und Bildung: Förderung der „Politik der Bildung und Ausbildung“ im Gefängnis
  6. Übergangsmanagement als zentraler Schwerpunkt.

 

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Gefördert von:

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Mitglied in der:

Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffäligenhilfe e.V.Confederation of European Probation 

    Kooperationspartner:

    KriPoZ Kriminalpolitische Zeitschrift

 

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