Interview Deutsche Welle mit Salafismus-Forscherin: "Nicht alle Dschihadisten sind gleich"

Die Religionswissenschaftlerin und Salafismusforscherin Nina Käsehage plädiert in einem Interview mit der Deutschen Welle für einen anderen Umgang mit Muslimen, eine Präzisierung des Begriffs des Salafismus sowie für eine langfristige Strategie der Deradikalisierung.

Um differenzierte Aussagen treffen zu können, führte Frau Käsehagen 175 Interviews mit Salafisten in verschiedenen europäischen Ländern. Sie bezeichnet bereits seit langem die salafistische Bewegung als eine transnationale Bewegung und unterscheidet puristische, politische und dschihadistische Salafisten. Das Bundesamt für Verfassungsschutz zählt derzeit ca. 10.000 Personen, die als Salafisten bezeichnet werden, eine sehr niedrige Zahl im Vergleich zu den drei bis vier Millionen in Deutschland lebenden Muslimen. Von den ca. 10.000 Personen seien etwa zwei Drittel unpolitische Puristen und politische Salafisten und etwa ein Drittel gewaltbereite oder gewaltbefürwortende Salafisten.

Vereinfacht erklärt folge der Salafismus dem sog. Fitra-Konzept. Dies meint, dass ein gläubiger Moslem/ eine Muslima wieder zurück zum Islam finden kann. Dies wird dann ersichtlich, wenn sich diese Person nur auf den Koran und dessen Überlieferung als Primärquelle bezieht. Zugleich übernimmt man die als vorbildlich betrachtete Lebensweise des Propheten Mohammed und seiner Gefährten. Sowohl männliche als auch weibliche salafistische Akteure bringen dies durch ihre Kleidung und Handlungsweise zum Ausdruck. Im Unterschied zur gängigen islamischen Religionspraxis wird jede Abweichung von diesem Ideal als „verbotene Neuerungen“ (arabisch "bid'a") bezeichnet.

Nina Käsehage lehnt in Ihrem Interview ab, die radikale Ausprägung einer Religionsminderheit mit einer Gesamtreligion gleichzusetzen. Sie wendet sich gegen die Deutungshoheit der Sicherheitsbehörden, die den Begriff der Islamismus einseitig prägen und damit Muslime, die vielfach nichts mit einem radikalen Gedankengut zu tun haben, diffamieren.

Ihr Plädoyer ist daher eine gemäßigte Repression, etwa dort, wo sie durch sinnvolle Vereinsverbote geeignet erscheint. Zugleich fordert sie eine langfristig angelegte Deradikalisierung: Nicht wahlkampfunterstützende Maßnahmen, die nur kurzfristig greifen, sondern ein langfristiger Dialog, die Aneignung von religiösem Wissen und Interesse am anderen Menschen, um gegenseitige Vorurteile abzubauen.

Zum Interview in der Deutschen Welle:
http://www.dw.com/de/salafismus-forscherin-nicht-alle-dschihadisten-sind-gleich/a-38559701

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